Wachstum und Verbundenheit

12/19/12, Regina Schlager

In zwei Artikeln habe ich bereits darüber geschrieben, was ich aus dem Vortrag „Müssen wir umdenken, umfühlen oder etwas einfach nur ganz anders machen, damit sich unser Gehirn verändert?“1) des Neurobiologen Gerald Hüther mitgenommen habe:

  • Die Kraft der Bewertungen (31.10.2012)
  • Kreativität auf Druck? (6.11.2012)

Heute nun möchte ich über zwei grundlegende menschliche Bedürfnisse schreiben. Schon längere Zeit habe ich den Eindruck, dass wir Menschen zwei grundlegende Bedürfnisse haben: Wir wollen lernen und uns weiterentwickeln, wir wollen uns aber auch sicher und geborgen fühlen. Da ist diese Sehnsucht nach Freiheit und Aufbruch zu Neuem, und gleichzeitig meldet sich ein Bedürfnis danach daheim zu sein. Das macht uns Veränderung oft schwer.  

Selbst habe ich die Erfahrung gemacht, dass beides häufig schwer zusammengeht. Es gibt wohl auch Phasen, wo eines der Bedürfnisse stärker ist als das andere, und vielleicht ist die Gewichtung auch von Mensch zu Mensch verschieden. Auf Dauer sollte aber doch wohl immer wieder ein Ausgleich stattfinden. Aus der Systemtheorie ist bekannt, dass ein erfolgreiches System dadurch gekennzeichnet ist, dass es sich „auf längere Sicht betrachtet im Gleichgewicht zwischen Integration und Weiterentwicklung“2) befindet. Auch in den Erkenntnissen der Hirnforschung finde ich Bestätigung dafür.

Gerald Hüther spricht von den zwei Grunderfahrungen, die jeder Mensch schon im Bauch der Mutter macht:

  1. Ich wachse jeden Tag ein Stück über mich hinaus.
  2. Ich bin verbunden und möchte auch weiter verbunden bleiben.

Diese frühen Erfahrungen machen wir klarerweise noch nicht in sprachlicher Form. Wir entwickeln eine Erwartungshaltung, wollen auch weiterhin sowohl wachsen als auch verbunden sein. Zwei grundlegende Bedürfnisse enstehen:

  1. nach Wachstum, Potenzialentfaltung, Autonomie, Freiheit
  2. nach Bindung, Nähe, Geborgenheit, Verbundenheit

Diie Erinnerung an diese erfahrene Einheit tragen wir in uns und verspüren Sehnsucht, wieder zu uns selbst zurückzufinden. Dass das, was wir so grundlegend brauchen, ins Gleichgewicht gebracht wird, das passiert allerdings nicht bei allen Kindern. Da kann einiges schief laufen. Und doch liegt hier der Anknüpfungspunkt, um wieder eine Balance zu erleben.

Wie das gelingt? Mehr darüber in meinem nächsten Artikel.

 

Ich wünsche Ihnen ein schönes Weihnachtsfest, bei dem Ihre Sehnsucht nach Geborgenheit und Friede Heimat findet, sowie Aufbruch in ein neues Jahr, in dem Sie Ihr ganz einzigartiges Potenzial weiter entfalten können.

 

1) Gerald Hüther: Müssen wir umdenken, umfühlen oder etwas einfach nur ganz anders machen, damit sich unser Gehirn verändert? Vortrag auf dem Heidelberger Symposium „Gehirn und Körper“ vom März 2008. Audio (mp3) Auditorium Netzwerk (2009)

2) Kai Neumann: Modelst Du schon – oder tappst Du noch im Dunkeln? Consideo 2007, S. 46 (Über vernetztes Denken)

Schlagwörter: Selbstmanagement, Veraenderung

3 Kommentare

Gertrude Schlager at 12/19/12:

Liebe Regina, ich bin immer wieder beeindruckt, wie Du die einzelnen Themen in die richtigen Worte kleidest. Ich freue mich immer auf neue Artikel von dir. Liebe Grüße von Mama

Regina Schlager at 12/19/12:

Liebe Mama,

das berührt mich sehr, dass du meine Artikel so schätzt. Danke für deinen Kommentar.

Liebe Grüße, Regina

Annette Hexelschneider at 12/19/12:

Hallo Regina,

mir gefällt, wie Du die Situation auf (den Punkt) die Punkte bringst - die ich sehr interessant und hilfreich finde.

Hilfreich auf mich bezogen und auf andere Menschen. Mit diesen Gedanken in meinem Kopf kann ich vielleicht die eine oder andere Re/Aktion anderer Menschen etwas verstehen.

Danke!

Kommentare werden vom Moderator freigeschaltet

Kommentar hinzufügen

* Felder sind erforderlich