Millionways: Lebe was Du leben willst

04/17/13, Regina Schlager

Durch den letzten Newsletter des Neurobiologen Gerald Hüther wurde ich aufmerksam auf millionways: eine Online-Plattform, ein physisches Netzwerk, eine Bewegung  – damit Menschen ihre Talente und Begeisterungen verwirklichen können. Unter dem Motto „Lebe was Du leben willst“ werden Menschen ermutigt, zu ihren Visionen und Träumen zu stehen und daraus etwas zu gestalten.

Derzeit ist millionways auf Deutschland beschränkt, auf Rückfrage habe ich allerdings erfahren, dass eine Ausweitung auf andere Länder nicht ausgeschlossen wird. Mitmachen kann also derzeit jeder aus Deutschland: So zum Beispiel in einem Videointerview über sich selbst und was einen bewegt sprechen. Oder sich in einer Gruppe mit anderen zusammenschließen und gemeinsam an Projekten arbeiten. Millionways hilft dann bei der Realisierung.

Was mir sehr gefällt ist die Ermunterung, diese Gruppen vielfältig zusammenzusetzen: „Eine Gruppe kannst du zusammen mit Freunden, Nachbarn, Familienmitgliedern oder Kollegen gründen. Perfekt ist es, wenn ihr auch noch "neue Leute" einladet - die Rentnerin aus dem Altersheim nebenan, den Vater eines Freundes oder Personen, mit denen man sonst nicht täglich redet. Denn die Gruppen funktionieren am besten, wenn möglichst ganz unterschiedliche Menschen mit verschiedenen Kenntnissen und Fähigkeiten zusammenkommen.“  

Interessant finde ich auch die per Video aufgezeichneten Gespräche mit dem millionways Team.

Ich habe den Eindruck, dass sich heute immer mehr Menschen fragen, wie sie leben wollen. Viele gehen einer beruflichen Tätigkeit nach, die sie als sinnentleert empfinden: ohne Bezug zu ihnen selbst. Sie können sich mit dem, was sie können und was sie begeistert, nicht einbringen. Aber sie spüren die Sehnsucht, genau das zu tun.

Nicht selten wird der Suche nach der eigenen Lebensaufgabe und dem Anspruch nach persönlicher Entwicklung mit einem Ton des Vorwurfs begegnet: „Warum ist das heute bloß so wichtig? Unsere Großeltern haben ihr Leben lang den gleichen Beruf ausgeübt, der ihnen vorgegeben wurde von ihren Eltern. Ihnen war wichtig, Geld zu verdienen, damit die Familie etwas zum Wohnen und Essen hatte. Selbstverwirklichung war da kein Thema.“ 

Wir sind heute in der westlichen Kultur nicht mehr wie frühere Generationen so stark eingebettet in Tradition und Religion, die vorgaben, wie jemand zu leben hatte. Insofern ist es für uns nicht bloß Luxus, sondern notwendig, unser Leben selbst zu gestalten. Früher war es nur wenigen Menschen vorbehalten, sich mit Fragen wie „Wer bin ich? Wie will ich leben?“ auseinander zu setzen.  

Natürlich gibt es auch heute noch gesellschaftliche Rahmenbedingungen und vor allem auch nicht für alle die gleichen Startbedingungen: Wie wir aufwachsen, welche Schule wir besuchen, welche Ausbildung wir machen. Aber nichts destotrotz haben wir heute viel mehr Optionen als früher. Ja so viele, dass wir oft überfordert sind, was wir aus der Fülle der Möglichkeiten wählen sollen.

Zu den wichtigen Aufgaben unserer Zeit gehört wohl, mit unserer Selbstbestimmung verantwortungsvoll umgehen zu lernen, sodass wir selbst und alle anderen Menschen ein erfülltes Leben führen können, ohne die Lebensgrundlagen auf unserem Planeten zu zerstören. Und da halte ich es für entscheidend, dass wir miteinander in Dialog treten: uns mit anderen verbinden, einander wirklich zuhören, uns gegenseitig inspirieren und Mut machen. Dazu braucht es geeignete Infrastrukturen. Daher finde ich Initiativen wie millionways so wertvoll.

Link: http://www.millionways.org/

Schlagwörter: Selbstmanagement, Sinnvolle-arbeit, Berufung

2 Kommentare

Dorothea at 04/28/13:

Danke für die interessanten Infos.

Regina Schlager at 04/28/13:

Sehr gerne. Freut mich, dass Sie den Artikel interessant finden.

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