Geschenkte Momente

05/10/13, Regina Schlager

Vergangenes Wochenende war ich als Gast bei den Bodenseegesprächen des EWMD – European Women’s Management Development International Network. Die Bodenseegespräche finden jährlich in einem der drei an den Bodensee angrenzenden Länder statt, diesmal war die Schweiz an der Reihe. Das Thema war „Loslassen“, die Psychoanalytikerin Katharina Ley sprach im Eröffnungsvortrag über „Die Kunst des guten Beendens“. Dabei betonte sie, wie wichtig es sei, im Laufe eines Tages Dinge bewusst zu beenden und zu beginnen. Für das Ende des Tages habe ich ein Ritual, das ich Ihnen vorstellen möchte:

Kostbare Momente des Tages

Vor dem Einschlafen gehe ich in Gedanken rückwärts durch den Tag und vergegenwärtige mir Momente, die mich berührt haben. Der Geschmack von Koriander im Gemüsereis zum Abendessen, das Lächeln eines Kindes beim Nachhauseweg, der Duft einer Fliederblüte, das warme Wasser auf meiner Haut beim Duschen... Plötzlich fallen mir so viele Augenblicke des Tages auf, die wertvoll waren. Vielleicht war mir das im Moment des Erlebens gar nicht so bewusst. So schlafe ich dankbar für den Reichtum meines Tages ein.

Was wir im Auge haben, das prägt uns – worauf wir schauen, dahinein werden wir verwandelt“, so ein Zitat von Heinrich Spämann. Evolutionsgeschichtlich sind wir so geprägt, dass uns Gefahrenmomente besonders auffallen. Solche Erfahrungen prägen sich unserem Gehirn ein. Das hilft uns dabei, uns zu schützen. Situationen, die keine Angst auslösen, haben es in unserem Gedächtnis schwerer. Weil Sie uns nicht so offensichtlich vor Leben und Tod retten. Aber wir können lernen, gerade Momente der Berührung und Verbundenheit zu kultivieren. Wie ein Gärtner, der behutsam sein Beet bestellt. Was wollen wir darin wachsen sehen?

Das Täschli mit zwei Seiten

Eine Hilfe, um Momente des Tages aufmerksam wahrzunehmen, ist das Täschli mit zwei Seiten. Ich habe es gemeinsam mit Thomas Gressly entwickelt, wir stellen es auch selbst her. Auf einer Seite sind je nach Wahl Steinchen oder Bohnen. Fühle ich mich durch etwas angesprochen, empfinde ich mich so ganz im Hier und Jetzt, so lege ich anschließend ein Steinchen oder eine Bohne auf die andere Seite. Am Abend kann ich dann anschauen, wie viel Kostbares sich angesammelt hat.

Link: Geschenkte Momente – Das Täschli mit zwei Seiten

Schlagwörter: Achtsamkeit, Sinnvolle-arbeit

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