Anleitung zum Unter-Druck-Sein

05/14/18, Regina Schlager

Ganz im Sinne von Paul Watzlawicks »Anleitung zum Unglücklichsein«* kann ich nur sagen: Sich unter Druck fühlen kann jeder. Sich unter Druck setzen will gelernt sein. Und perfektioniert. Deshalb hier in diesem Blogartikel ein paar Lerntipps – ohne Anspruch auf Vollständigkeit –, wie Sie Meisterin oder Meister darin werden können.

Die Situation, in der Sie sich befinden, übt Druck auf Sie aus? Sie fühlen Sich gestresst, genervt, erschöpft, ermüdet? Vielleicht ist es der Job, vielleicht die Partnerschaft, vielleicht sogar Ihre Freizeit. Oder alles miteinander. Was soll da das lebensfremde Gerede von Bestimmung oder Berufung! Beherzigen Sie Folgendes und Sie werden sich so richtig schön und immer stärker unter Druck fühlen. (Gerne erhalte ich natürlich Erfahrungsberichte und Hinweise, was bei Ihnen gut wirkt.)

Sagen Sie sich immer wieder, dass die Situation, in der Sie sich befinden, Ihnen keine andere Wahl lässt.

Seien Sie die Letzte an Ihrer Arbeitsstelle, während in den Nebenräumen die Lichter ausgehen und die Ciaos und Schönen Abends sich in den Weiten des Flurs verlieren. Sie harren aus. Sie sind pflichtbewusst. Ihre Kollegen, Ihre Chefin, Gott, das Leben, das Universum… werden es Ihnen hoch anrechnen.

Sie arbeiten gar nicht angestellt? Sie sind selbständig tätig, Sie sind Unternehmer? Weichen Sie keineswegs von den druck-förderlichen Gewohnheiten des Angestellten-Daseins ab. Seien Sie, auch wenn Sie alleine arbeiten, quasi der Letzte im Büro und dehnen Sie Ihre Arbeitszeit auch noch auf das Wochenende aus. Der Kunde ist schließlich König. Und sagen Sie sich unbedingt wiederholt: Wo würde das bloß hinführen, wenn ich beginne, die Zügel lockerer zu halten? Die in Ihnen aufsteigenden Schreckensszenarien werden Sie wieder auf die rechte Bahn lenken.

Achten Sie in keinem Fall auf Ihre körperlichen Rhythmen. Teilen Sie Ihre Termine strikt nach der Uhr ein und richten Sie sich konsequent nach den Bedürfnissen der anderen.

Atmen Sie flach, am besten in die obere Brust, beileibe nicht mit tiefen Zügen in den Bauch und das Becken. Am besten, Sie schenken Ihrem Atem gar keine Beachtung.

Seien Sie auf der Hut und geben Sie nicht dem Impuls nach, während des Tages öfters mal Pausen zu machen, und wären sie auch nur klitzeklein wie ein kurzes Dehnen und Strecken oder eine Tasse Tee. Wozu soll das gut sein?

Streben Sie danach, alles, was Sie tun, perfekt zu machen. Sie merken: Sie sind noch nicht am Ziel? Bleiben Sie dran! Ohne Fleiß kein Preis. Wenn Sie konsequent so weitermachen, winkt die Krone für Mrs. Perfect. Schließlich wurden Sie nicht geboren, um langsam zu sein, Fehler zu machen oder sich mit unnötigen Fragen und Reflexionen aufzuhalten.

Irgendwann brauchen auch Sie ein klein wenig Entspannung. Gönnen Sie sich eine kurze Verschnaufpause und kaufen Sie sich etwas. Ihr Kleiderschrank quillt bereits über und in der Küche stauen sich die nicht benutzen Geräte? Lassen Sie sich davon nicht abhalten. Sie haben es sich verdient. Ihre Strapazen wollen belohnt sein. Sie dürfen sich anerkennend auf die Schulter klopfen und sich zusätzlich noch rühmen, eine gute Staatsbürgerin zu sein – schließlich muss die Wirtschaft angekurbelt werden, deren Motor, wie wir lesen und hören, dahinstottert.

Und zuletzt noch ein eindringlicher Appell: Geben Sie keinesfalls der Versuchung nach, sich zu fragen: Was soll das Ganze eigentlich? Warum tue ich, was ich tue? Was ist der Sinn davon? Widerstehen Sie der Sehnsucht, Gestalterin Ihres Lebens zu sein und etwas in der Welt beizutragen. Das müssen Sie unbedingt vermeiden. Es könnte verheerende Nebenwirkungen haben und Sie auf einen Pfad geleiten, der Sie wegführt vom Druck hin zu Leichtigkeit, Bei-sich-sein und Freude.

* Paul Watzlawicks »Anleitung zum Unglücklichsein« aus dem Jahr 1983 ist köstlich und augenöffnend: große Leseempfehlung von mir.

Bild: Pixabay – Robin Higgins https://pixabay.com/en/furious-upset-person-woman-angry-2514031/

Regina Schlager

Viele Menschen befinden sich heute in einer Phase des Wandels, sowohl im persönlichen wie auch im beruflichen Bereich. Das Alte passt nicht mehr, das Neue ist noch nicht da oder fühlt sich noch sehr unsicher an. Auch als Gesellschaft befinden wir uns weltweit in einer Zeit des Übergangs. Regina Schlager begleitet in diesen Transformationsphasen als Coach, Facilitator und Autorin. Sie öffnet im Einzel- und im Gruppensetting Räume, um in lebendigen, kreativen und achtsamen Kontakt mit sich selbst, anderen und der Welt zu kommen und aus dieser Verbindung heraus zu handeln.

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