Flow und Begeisterung

06/14/18, Regina Schlager

Gestehen Sie es sich zu, Ihrem inneren Feuer zu folgen? Gibt es Dinge, die Sie wirklich gerne tun? Kennen Sie das Gefühl, im Flow zu sein? Vielleicht sogar bei Ihrer Arbeit?

Ich meine damit nicht einen Zustand des permanenten Gut-Drauf-Seins. Wie geht’s? Super doch! Doch wenn Sie tief in sich hineinhorchen, vernehmen Sie vielleicht die Sehnsucht danach, innerlich erfüllt zu sein bei dem, was Sie tun. Ich gehe stark davon aus, dass diese Sehnsucht in Ihnen lebt. Denn ich bin davon überzeugt, dass sie zu unserem Menschsein gehört.

Flow - in Beziehung sein mit dem, was Sie tun

Dieses innere Erfülltsein, eine tiefe Zufriedenheit, hat mit einem Erleben zu tun, das als Flow bezeichnet werden kann. Sich im Flow zu erleben, das bedeutet, dass Sie in Beziehung sind mit dem was Sie tun. Backen, gärtnern, einen Artikel schreiben, ein Konzept erstellen. Sie fühlen sich eins mit der Tätigkeit und dem, was daraus entsteht. Und nicht immer entsteht dabei etwas Physisches wie etwa ein Brot oder etwas sonst irgendwie Greifbares wie das Konzept für einen neuen Workshop.

Flow ist verknüpft mit einem Gefühl von Begeisterung. Spürbar ist die Qualität der Monate Mai und Juni, der Zeitspanne des höchsten Wachstums in der Natur. Jede aufspringende Blüte zeigt uns überschäumende Freude und Lebenslust. Schönheit, die einem das Herz schneller klopfen lässt.

Im Courage Circle von Juni sprachen wir darüber, wie es sich für uns anfühlt, wenn wir mit Begeisterung bei einer Sache sind. Es kam unter anderem Folgendes: Die Zeit geht schnell vorbei, Zufriedenheit, Spaß, Freude, es fließt, meditativ, Atem, durchatmen, innehalten, im Eigenrhythmus sein im Gegensatz zu von außen getaktet sein.

Warum ist es eigentlich oft so schwierig, im Flow zu sein?

Was hindert uns? Hier drei häufige Gründe, die mir persönlich und aus meiner Coaching-Arbeit geläufig sind:

Wir kennen uns nicht gut. Wir wissen nicht, was uns überhaupt Freude macht. Wir nehmen uns nicht die Zeit, es herauszufinden oder uns daran zu erinnern.

Wir wollen perfekt sein und keine Fehler machen. Oder wir haben den Anspruch an uns, bereits dann, wenn wir etwas zu lernen beginnen, Meisterin darin sein (hmmh, ertappt!). Das führt in vielen Situationen dazu, dass wir uns überfordert fühlen. Oder wir sind wirklich an der falschen Stelle, z.B. bei einem Job, der uns gar nicht liegt oder für den wir nicht die notwendigen Kompetenzen haben. Ein Gefühl der Überforderung verhindert, das sich Flow einstellt.

Wir gestehen uns gar nicht zu, Freude und Begeisterung zu erleben – und schon gar nicht bei der Arbeit. Hier wirken Glaubenssätze wie »Arbeit ist mühsam«, »Wenn es Spaß macht, ist es gar keine Arbeit«. Und wir haben vielleicht gewisse Vorstellungen von »Arbeit«: So ist eine weit verbreitete Vorstellung, dass Arbeit nur mit Erwerbsarbeit gleichzusetzen ist (kein Wunder, ist das doch das vorherrschende Konzept, das in der Zeit der Industrialisierung entstanden ist). Oft werten wir Herzensbeschäftigungen ab: »Das ist ja nur mein Hobby, damit kann ich kein Geld verdienen«.

Was können Sie tun, um Flow in Ihr Leben einzuladen?

Was hat Ihnen als Kind besonders viel Freude gemacht? Nehmen Sie sich etwas Zeit, darüber zu reflektieren. Was ließ Sie Raum und Zeit vergessen? Worin sind Sie aufgegangen? Ich lade Menschen, die zu mir ins Berufungscoaching kommen zu dieser Reflexion ein, weil sie dabei grundlegende Bedürfnisse von sich selbst herausfinden.

Beobachten Sie die Stimmen, die in Ihnen auftauchen, wenn Sie sich obiger Reflexion hingeben: »Was bringt mir das? Als Kind bin ich gerne stundenlang in der Wiese gelegen und habe Grashüpfer beobachtet. Damit verdiene ich ja nichts.« Oder Stimmen, die sich zeigen, wenn Sie sich jetzt als Erwachsener zu etwas hingezogen fühlen, das Ihnen Freude bereitet: »Was, jetzt willst du lesen? Du hast ja deine Mails noch gar nicht bearbeitet!«

Vielleicht gelingt es Ihnen, all diese inneren Kommentare nicht gleich wegzuschieben oder sich von Ihnen niederdrücken zu lassen, sondern sie vielmehr mit der Haltung einer offenen Neugierde wahrzunehmen. (Wie Sie dann weiter damit umgehen können, das folgt in einem meiner nächsten Artikel.)

Trainieren Sie Ihren Flow-Muskel bei einer Alltagstätigkeit, die Sie täglich tun. Gut eignet sich hierfür das Zähneputzen. Nehmen Sie sich vor, dabei ganz bei der Sache zu sein anstatt bereits die Termine für den Tag durchzugehen. Wie fühlt es sich an, die Zahnbürste in der Hand zu halten? Welche Hand hält sie? Wie ist es, wenn Sie zur anderen Hand wechseln, wie fühlt sich das dann im Unterschied an? Welchen Zahn putzen Sie gerade? Schmecken Sie den Geschmack der Zahncreme? Wie fühlt sich Ihre Zunge an? Spüren Sie beim Zähneputzen auch Ihre Füße auf dem Boden? Ihren Rücken?

Gerne lese ich im Kommentarfeld oder per E-Mail, wie es Ihnen mit dem Flow und der Begeisterung geht.

Regina Schlager

Viele Menschen befinden sich heute in einer Phase des Wandels, sowohl persönlich wie auch beruflich. Das Alte passt nicht mehr; das Neue ist noch nicht da oder fühlt sich noch sehr unsicher an. Auch als Gesellschaft befinden wir uns weltweit in einer Zeit des Übergangs. Regina Schlager begleitet in diesen Phasen der Transformation als Coach, Facilitator und Autorin. Sie öffnet im Einzel- und im Gruppensetting Räume, um in lebendigen, kreativen und achtsamen Kontakt mit sich selbst, anderen und der Welt zu kommen und aus dieser Verbindung heraus zu handeln.

Schlagwörter: Berufung, Lebenskunst

2 Kommentare

Maike Lenz-Scheele at 06/18/18:

Hallo Regina, danke für den sehr guten Artikel. Für mich ist auch wesentlich um in den FLOW zu kommen dass wir die Aufmerksamkeit auf uns selbst lenken. Viel zu häufig werden wir von äußeren Reizen abgelenkt oder auch von eigenen Schleifen die wir im Kopf immer und immer wiederholen. Das im Moment sein - mit mir und meinem Umfeld in Kontakt sein - das ist für mich der wichtigste Schlüssel um Rahmenbedingungen zu schaffen das FLOW geschehen kann. Viele Grüße, Maike

Regina Schlager at 06/19/18:

Hallo Maike, vielen Dank für den Hinweis darauf, die Aufmerksamkeit auf uns selbst zu lenken. Ja, im Moment sein, immer wieder in den Moment kommen (ein immer-wieder-daran-Erinnern) – ein wesentlicher Schlüssel. Viele Grüße, Regina

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