Der Kontakt zu unseren Gefühlen braucht Innehalten

16.01.2019, Regina Schlager

Willkommen im neuen Jahr! Haben Sie schon Pläne gemacht für 2019? Sich vielleicht mit Ihrer Vision verbunden? Ich gehe heuer mit dem Rhythmus des GAIA-Prinzips und gönne mir, noch ein wenig in der Phase des Innehaltens zu verweilen. Das ist neu für mich. War es mir doch in den letzten Jahren geläufig, bereits in den ersten Januartagen auf das Jahr vorauszuschauen, eine Visions-Collage zu erstellen und meine Schwerpunkte festzulegen. Den Termin für mein Neujahrs-Retreat habe ich nun auf Ende Januar gelegt, da wird dann auch meine jährliche Visions-Collage entstehen.

Innehalten ist nicht einfach – diesen Hinweis habe ich auch in Mathias Morgenthalers jüngstem Newsletter entdeckt. Er ist Journalist, Moderator, Coach und betreibt die Plattform beruf-berufung.ch. Keiner seiner Texte hatte, wie er schreibt, 2018 eine so große Resonanz wie das Interview mit dem deutschen Psychiater Christian Peter Dogs.

Christian Peter Dogs spricht von seiner Erfahrung, wie schwer es Managern in hohen Führungspositionen fällt, auch mal Pause von der Arbeit zu machen. »Für manche sind unstrukturierte, arbeitsfreie Tage wie ein kalter Entzug.« Und er beobachtet: »Je höher jemand aufsteigt, desto weniger weiss er von seinen Gefühlen« und tendiere dadurch zu Kurzschlussreaktionen.

Doch wie wird es möglich, innezuhalten und mit den eigenen Gefühlen in Kontakt zu kommen? So wie ich das persönlich und in meiner Arbeit mit Menschen erlebe, ist eine bewertende Haltung kontraproduktiv. Der interviewte Psychiater sagt, dass unsere Gesellschaft dazu neige, Menschen unnötig zu pathologisieren.

Doch fällt er nicht selbst in dieses Muster? Pathologisieren, das heißt, jemanden als krankhaft bewerten. Dogs spricht unter anderem von »all diesen Machern, die im Endorphin- und Adrenalinrausch durchs Leben hasten«, von einem »ausgeprägten narzisstischen Antrieb«, von »emotionalen Krüppeln«.

Für mich ist in diesen Worten wenig Zuwendung spürbar. Und die braucht es, um sich zu trauen, mit sich selbst in Kontakt zu treten.

Das habe ich in den letzten 15 Jahren am eigenen Leib erfahren. Es war ein langer Lernweg – und ich bin noch mittendrin. Sich bewerten, das tun Menschen, die in einer Leistungsgesellschaft aufwachsen, schon selbst genug. Bewertung. Bewertung. Bewertung. Da brauchen wir nicht auch noch einen Coach oder Therapeuten dazu. Wer kennt nicht den inneren Kritiker, der harsch sagt: »Streng dich mehr an!«, »Du bist nicht gut genug!«, »Du darfst dich auf keinen Fall blamieren!«.

Seinen Schutzschild auch mal abzulegen, das ist wahrlich kein banaler Akt. Wenn du es beispielsweise gewohnt bist, dass dir vorgeworfen wird, »zu emotional« zu sein, wenn sich Tränen der Rührung und Freude in deinen Augen zeigen. Und dazu musst du keine Politikerin sein, die in der Öffentlichkeit steht, das kann dir an jedem Meeting-Tisch in jedem x-beliebigen Büro passieren.

Mit uns selbst und unseren Gefühlen in Kontakt zu treten, das müssen wir zunächst erst wieder lernen. Und auch, warum das überhaupt wichtig ist. Es ist ein Wieder-Erinnern. Ein Wieder-Verbinden. Und dafür brauchen wir einen beurteilungsfreien Raum der Zuwendung, Präsenz und Offenheit. Es ist ein Geschenk, wenn ein anderer Mensch uns diesen Raum zur Verfügung stellt; und wir können lernen, selbst diesen Raum für unsere inneren Anteile zu halten. So können sich auch Anteile, die sich zunächst zerstörerisch und leidvoll anfühlen, wie etwa Gier, Hass oder Wut, in lebensförderliche Energien wandeln.

Dieses Wieder-Erinnern und Wieder-Verbinden zu lernen, das ist sowohl im Einzelsetting als auch in der Gruppe möglich. Wenn Sie Resonanz spüren, weise ich Sie gerne hin auf mein 1:1-Angebot »Vertrauen in Ihre innere Weisheit entwickeln«. Und im April kommt wieder Focusing-Lehrer Elmar Kruithoff nach Zürich, mit dem Workshop »Einstieg in die Arbeit mit innerer Kritik«.

Regina Schlager

Viele Menschen befinden sich heute in einer Phase des Wandels, sowohl persönlich wie auch beruflich. Das Alte passt nicht mehr; das Neue ist noch nicht da oder fühlt sich noch sehr unsicher an. Auch als Gesellschaft befinden wir uns weltweit in einer Zeit des Übergangs. Regina Schlager begleitet in diesen Phasen der Transformation als Coach, Facilitator und Autorin. Sie öffnet im Einzel- und im Gruppensetting Räume, um in lebendigen, kreativen und achtsamen Kontakt mit sich selbst, anderen und der Welt zu kommen und aus dieser Verbindung heraus zu handeln.

Schlagwörter: Entschleunigung, Stressbewaeltigung, Achtsamkeit, Koerperwissen, Selbstfreundschaft, Veraenderung, Embodiment

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