Loslassen und höchste zukünftige Möglichkeit

25.02.2019, Regina Schlager

»Gewohntes loszulassen, das fällt mir so schwer.« Das sagte mir neulich eine Klientin. Damit Neues entstehen kann, gilt es immer wieder, Altes loszulassen. Ja, das kann unheimlich schwer sein!

Führen – und das bedeutet vor allem auch, sein eigenes Leben verantwortlich zu führen – hat wesentlich damit zu tun, sich die höchste zukünftige Möglichkeit zu vergegenwärtigen. Otto Scharmer, Gründer des Presencing-Institutes in Cambridge, Massachusetts und einer der Hauptwirkenden bei der Entstehung der U-Theorie (Theory U) und der U-Labs, nennt das »von einer im Entstehen begriffenen Zukunft her führen«.

Und damit Neues dann auch entstehen kann, müssen wir immer wieder bereit sein, Gewohntes loszulassen. Oder zu transformieren, damit etwas in einer Weise in die Welt kommen kann, wie es vorher nicht da war. Das kann sich anfühlen, als würden wir vor einem Abgrund stehen, schwindelnd hinunterschauen und dennoch den Sprung hinüber auf die andere Seite tun. Dafür brauchen wir Mut im Sinne von Courage: Stärke und zugleich Hingabe.

Ist nicht vielleicht unser ganzes Leben daraufhin angelegt: Dass wir lernen loszulassen? Dass wir loslassen können, wenn wir unseren letzten Atemzug tun? Um uns ganz einzulassen auf die große Transformation? Loslassen hat immer auch mit Sterben und Tod zu tun. Und Sterben und Tod haben in unserer westlichen Industriekultur keinen guten Stellenwert, um es milde auszudrücken. Es könnte sein, dass das Loslassen auch bei alltäglicheren Dingen daher so schwierig ist für uns.

Wir können uns in kleinen Dingen darin üben: Gerade jetzt in der Vorfrühlings-Zeit, die laut Gaia-Prinzip die Visions-Phase ist. Ein Kleidungsstück loslassen beispielsweise. Vielleicht bei einer Kleidertausch-Börse (in der Schweiz unter anderem Walk-In-Closet). Mir scheint, dass es sehr stark auf das Wie ankommt dabei. Das Kleidungsstück nochmals in die Hand nehmen, es würdigen, es verabschieden. Nicht einfach achtlos in einen Kleidersack stopfen. Verabschieden in Würde. In Dankbarkeit. Auch die scheinbar kleinen, belanglosen Dinge. Dann trauen wir uns auch besser an die größeren Abgründe heran.

 

Bild: Pixabay Printeboek relax (Free Download 2018)

Regina Schlager

Viele Menschen befinden sich heute in einer Phase des Wandels, sowohl persönlich wie auch beruflich. Das Alte passt nicht mehr; das Neue ist noch nicht da oder fühlt sich noch sehr unsicher an. Auch als Gesellschaft befinden wir uns weltweit in einer Zeit des Übergangs. Regina Schlager begleitet in diesen Phasen der Transformation als Coach, Facilitator und Autorin. Sie öffnet im Einzel- und im Gruppensetting Räume, um in lebendigen, kreativen und achtsamen Kontakt mit sich selbst, anderen und der Welt zu kommen und aus dieser Verbindung heraus zu handeln.

Schlagwörter: Fuehrung, Leadership, Veraenderung, Lebenskunst

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