Re-Connect – uns wieder-verbinden

15.04.2019, Regina Schlager

Ich weiß es schon länger. Und jetzt spreche ich es aus: Mein Ruf führt mich dahin, dabei mitzuwirken, dass wir uns wieder-verbinden. Re-Connect. Mit uns selbst, mit anderen Menschen, mit den Tieren und Pflanzen, mit der Erde. Mit allen Anteilen in uns, auch den schwierigen wie Trauer, Scham und Angst. Und vor allem auch mit unserer Freude und Begeisterung. Mit der weiblichen Kraft, dem Yin. Mit allen Lebewesen und auch mit dem Gestein und den Elementen. Mit Alter, Sterben und Tod. Mit denen, die vor uns waren, und denen, die nach uns kommen werden.

In der sogenannten westlichen Welt haben wir uns von vielem davon abgetrennt. Tief in mir spüre ich schon lange, dass diese Trennung nicht wahr ist. Manche sagen, es ist eine Lüge. Ich nenne es lieber eine Geschichte, die wir uns seit langem erzählen. Unsere Vorfahren haben sie vor ein paar tausend Jahren gewählt.

Uns für eine neue Geschichte entscheiden

Uns steht die Möglichkeit offen, uns jetzt für eine andere, eine neue Geschichte zu entscheiden. Charles Eisenstein nennt es The More Beautiful World Our Hearts Know Is Possible (Die schönere Welt, die unser Herz kennt, ist möglich); die Arbeit die wiederverbindet oder The Work That Reconnects (nach Joanna Macy) spricht von der Geschichte vom Großen Wandel.

Wir müssen nicht bei Null beginnen. Wir können in Verbindung gehen mit unserem tiefen, inneren Wissen. Wir können anknüpfen an Weisheitstraditionen und indigenes Wissen. Quantenphysik, Systemwissenschaften, Komplexitätstheorie, Epigenetik, Bionik und andere Disziplinen ermöglichen uns Einblicke in tiefere Zusammenhänge auch auf "westlich"-wissenschaftlicher Ebene – sofern wir nicht auch hier wiederum an der Welt herumbasteln wollen in der Hoffnung, sie zu kontrollieren und für unsere Zwecke zu manipulieren.

Zu einem neuen Denken und einem umfassenderen Verständnis unserer Wirklichkeit gelangen

Der 2014 verstorbene Quantenphysiker Hans-Peter Dürr, den ich bei einer Konferenz 2010 noch persönlich kennenlernen durfte, schreibt in seinem Buch Warum es ums Ganze geht. Neues Denken für eine Welt im Umbruch: "Die vielfältigen Krisen, mit denen wir heute konfrontiert sind und die uns zu überfordern drohen, sind Ausdruck einer geistigen Krise im Verhältnis von uns Menschen zu unserer lebendigen Welt." Und weiter:

"Wir sind angehalten, in einem neuen Denken zu einem umfassenderen Verständnis unserer Wirklichkeit zu gelangen, in der auch wir uns als Faser im Gewebe des Lebens verstehen, ohne dabei etwas von unseren besonderen menschlichen Qualitäten opfern zu müssen. Wir lernen, dass wir, wie alles andere auch, untrennbar mit dieser wundersamen irdischen Geobiosphäre verbundene Teilnehmende und Teilhabende sind."

Berufung: Unsere Einzigartigkeit in Verbundenheit mit allem Leben gestalten

Nach herkömmlichen Gesichtspunkten wird das, was wir beitragen, vielleicht als belanglos angesehen. Oder wir selbst haben Angst, dass wir zu wenig tun, zu wenig leisten, zu wenig Spuren hinterlassen. Wenn wir keine Karriere machen und dabei die "gläserne Decke in die höchste Chefetage durchstoßen". Wenn wir nicht ein Start-up gründen und dann für Millionen an einen Konzern verkaufen. Wenn wir keine Künstler werden, deren Werke auf dem Kunst- und Kulturmarkt hohe Preise erzielen.

Wir sind Individuen mit einzigartigen Talenten, gleichzeitig sind wir eingewoben in einen größeren Zusammenhang. Berufung bedeutet für mich beides: dieser Einzigartigkeit auf die Spur zu kommen und sie in der Verbundenheit mit allem Leben zu gestalten. Nicht als Masters of the Universe, sondern als Hüterinnen und Hüter des Lebens. Die eigene Berufung kann dann viele Formen annehmen, ist nicht gebunden an ein vorgegebenes Berufsbild oder von außen an uns herangetragene Werthaltungen.

Literaturhinweis

Hans-Peter Dürr: Warum es ums Ganze geht. Neues Denken für eine Welt im Umbruch. 4. Aufl. Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verlag (2014), Zitat S. 166 und S. 167

Foto: Regina Schlager

Regina Schlager

Viele Menschen befinden sich heute in einer Phase des tiefgreifenden Wandels, sowohl persönlich wie auch beruflich. Das Alte passt nicht mehr; das Neue ist noch nicht da oder fühlt sich noch sehr unsicher an. Auch als Gesellschaft befinden wir uns weltweit in einer Zeit des Übergangs. Regina Schlager begleitet in diesen Phasen der Transformation als Coach, Facilitator und Autorin. Sie öffnet im Einzel- und im Gruppensetting Räume, um in lebendigen, kreativen und achtsamen Kontakt mit sich selbst, anderen und der Welt zu kommen und aus dieser Verbindung heraus zu handeln.

Schlagwörter: Berufung, Lebenskunst

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