Ihre positiven Ressourcen stärken

17.05.2019, Regina Schlager

Stellen Sie sich vor: Sie schreiben einen Blogartikel. Es kommentieren zehn Personen. Neun davon positiv, bestärkend, konstruktiv. Eine Person macht den Artikel total herunter, stellt Ihre Kompetenz in Abrede.

Was davon wird Ihnen mehr auffallen?

Lange Zeit habe ich bei mir selbst erlebt, dass negative Kritik viel mehr an mir hängen bleibt und mich in meinen Gedanken über lange Zeit – oft eher Grübeleien – beschäftigt als positive Rückmeldungen.

Mir hat sehr geholfen, als ich vor einigen Jahren gehört habe, dass das gar nicht erstaunlich ist. Haben wir Menschen aufgrund unserer evolutionären Entwicklung doch eine Negativitätstendenz: das, was eine potentielle Gefahr darstellt, bringt uns in Alarmbereitschaft. Der Psychologe Dr. Rick Hanson sagt: "Klett für das Schlechte, Teflon für das Gute". (Wer hat sich nicht schon mal mit einem Klettverschluss herumgeschlagen, auf dem etwas hartnäckig haften bleibt...)

In einer gefährlichen Situation ist das ja äußerst wichtig. Wenn mich jemand auf der Straße mit dem Messer bedroht, ist es vorteilhaft, wenn ich das als gefährlich erkenne. Auch die Angst vor Ausgrenzung aus der menschlichen Gemeinschaft – die oft hinter Reaktionen auf negative Kritik steckt – ist verständlich.

Es ist überlebenswichtig, wirkliche Gefahrensituationen als solche zu erkennen und entsprechend zu handeln. Doch für unsere Lebensqualität ist es enorm wichtig, eine Balance herzustellen – als Ausgleich für das, was uns sowieso spontan als gefährlich auffällt, die von uns als positiv empfundenen Zustände und Qualitäten zu stärken.

Warum ist das so wichtig? Denn sonst laufen wir Gefahr, ständig und überall Gefahr zu wittern und in permanenter Angst zu leben (und das vor allem auch in Situationen, wo wir gar nicht bedroht sind): das versetzt uns in Dauerstress. Das ist anstrengend. Das ist ungesund. Und so kommen wir nicht dazu, uns dem zu widmen, was uns von Herzen wirklich wichtig ist.

In den letzten Jahren habe ich erlebt, dass es tatsächlich möglich ist, diese Negativitätstendenz auszubalancieren. Doch das geht nicht automatisch. Notwendig dafür ist, die Aufmerksamkeit auf das zu richten, was für mich gut läuft, sich gut anfühlt – das in den Blick nehmen, innerlich nochmals durchspielen, mit allen Sinnen nacherleben.

Dazu gehört auch, mein Augenmerk auf meine Stärken zu richten. Nicht ständig nur im Blick zu haben, was ich nicht kann, vermeintlich nicht kann, noch nicht gut genug kann. (Und glauben Sie mir, ich habe eine starke Tendenz zum Glaubensmuster: "Ich kann nicht genug. Ich bin nicht genug." Davon kann ich ein Lied singen, ich habe sogar ein umfangreiches Repertoire.)

Ich nenne das gerne, die eigenen Ressourcen zu stärken, die eigenen Ressourcen wachsen zu lassen. Denn wenn wir unsere Aufmerksamkeit auf das richten, was für uns positiv ist, dann stärken wir das, was wir bereits da ist, und es kann darüber hinaus noch weiter wachsen. Aus dem Sämchen wird ein kräftiger Baum. Und der Samen wird aufgehen und wachsen, wenn er genährt wird! Denn er will sich zum Himmel strecken und seine Wurzeln in die Erde graben. Hirnphysiologisch gesprochen: Tatsächlich bahnen sich im Gehirn dann neue Wege, und es bilden sich neue Neuronenverbindungen.

Und noch etwas merke ich: Jetzt, durch regelmäßige Praxis, regiere ich auch anders als früher auf "negative" Kommentare  (die sowieso viel seltener kommen, als ich das früher befürchtet habe!). Es fühlt sich nicht mehr so bedrohlich an. Und wenn etwas in mir angstvoll aufschreit, kann ich das beobachten und mich danach, nachdem sich der Sturm gelegt hat, fragen: "Was war denn da los? Was hat mich denn da so getriggert? Das ist interessant: Darüber will ich mehr lernen." Und mich dem dann speziell zuwenden.

Regina Schlager

Viele Menschen befinden sich heute in einer Phase des tiefgreifenden Wandels, sowohl persönlich wie auch beruflich. Das Alte passt nicht mehr; das Neue ist noch nicht da oder fühlt sich noch sehr unsicher an. Auch als Gesellschaft befinden wir uns weltweit in einer Zeit des Übergangs. Regina Schlager begleitet in diesen Phasen der Transformation als Coach, Facilitator und Autorin. Sie öffnet im Einzel- und im Gruppensetting Räume, um in lebendigen, kreativen und achtsamen Kontakt mit sich selbst, anderen und der Welt zu kommen und aus dieser Verbindung heraus zu handeln.

 

Schlagwörter: Wachstum, Selbstmanagement, Stressbewaeltigung, Achtsamkeit, Koerperwissen, Selbstfreundschaft, Lebenskunst, Embodiment

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