Vertrauen und Tiefe im Courage Circle

03.09.2019, Regina Schlager

Am Montag, den 2. September fand der erste Courage Circle nach der Sommerpause statt. Es war sein dritter Geburtstag. Das erste Mal waren wir in der Trittligasse im Herzen von Zürich. Wir saßen nicht wie zuvor auf Stühlen, sondern auf Kissen auf dem Boden. In der Mitte ein orange-rotes Tuch und eine rote Kerze. Sitzen rund ums Lagerfeuer. Still werden. Geschichten erzählen. Aufrichtig aus dem Herzen sprechen.

Logo Courage Circle

Der Courage Circle ist ein überschaubarer Kreis mit höchstens 12 Frauen. Vergangenen Montag waren wir zu fünft. Im Raum breitete sich eine Tiefe aus – und zugleich ansteckendes Lachen. Wir sprachen über das Verzeihen. Wie wichtig es vor allem ist, sich selbst zu verzeihen. Sich selbst liebevoll zu behandeln. Etwas kam ins Fließen. Trotz der gehaltvollen und auch aufwühlenden Themen fühlten wir uns am Ende fröhlich und leicht.

Nach Auflösung des Kreises ließen wir den Abend noch bei einer Tasse Tee und Knabbereien ausklingen. Und ich hatte auch eine symbolische Geburtstagstorte – in Form von Ingwer-Schokolade-Stängeli – mitgebracht.

Im September 2016 habe ich damit begonnen, den Courage Circle in Zürich anzubieten. Was war damals meine Motivation? Warum habe ich damit angefangen?

Dieser Zeitpunkt, nicht mehr Hochsommer, noch nicht wirklich Herbst, eignet sich gut, um darüber zu reflektieren: Wir befinden usn in der Gaia-Zeitqualität Ernteschnitt, die schön langsam übergeht in den Erntedank.

Vielfalt sorgt für fruchtbaren Austausch in der Gruppe

Ich begann damit, weil ich ein Format für Frauen anbieten wollte, die sich monatlich treffen. Frauen, die ihren eigenen Weg gehen wollen. Sich im Umbruch befinden, an einem Neuanfang oder in einer noch nicht so fassbaren Suchbewegung auf ihrem beruflichen Weg und in ihrem Leben als Ganzes. Ich wollte es nicht einschränken auf einen bestimmten Hintergrund, eine bestimmte Berufs- oder Altersgruppe. Ich fand, dass besonders die Vielfalt der Frauen einen fruchtbaren Austausch ermöglicht.

Wertschätzung, Respekt und tiefes Zuhören

Mein tiefer Wunsch und auch mein Committment war, einen Rahmen zu gestalten, wo wir einander wertschätzend und mit Respekt begegnen. Einander wirklich zuhören. An die wirklich wichtigen Themen rankommen. Und auch üben, mit uns selbst in dieser Haltung der Wertschätzung, des Respekts und des tiefen Zuhörens zu sein – denn das fällt uns bekanntlich am Schwersten.

Anfangs hatte ich noch die Wochentage abgewechselt, 2017 fand der Courage Circle dann immer – außer in der Weihnachts- und Sommerpause – am ersten Montag des Monats statt. Das habe ich so beibehalten, bis heute.

Nun steht ein weiterer Schritt an. Es ist kein gänzlicher Neubeginn. Eher spüre ich eine Bestärkung, kraftvoll und beherzt weiterzugehen.

Unterstützung auf dem einzigartigen Weg in Gemeinschaft mit anderen Frauen

Meine Intention ist, dass der Courage Circle weiterhin und noch mehr als bisher Frauen auf ihrem einzigartigen Weg unterstützen möge, in Gemeinschaft mit anderen Frauen. „Es ist wunderbar zu sehen, dass ich keine Einzelkämpferin bin, keine sein muss”, sagte eine Frau letztes Mal in der Schlussrunde.

Dabei soll der Courage Circle mehr und mehr zu einem Raum werden, wo wir uns auch tieferen Schichten zu öffnen trauen, die wir sonst verschlossen halten. Weil wir Vertrauen spüren. Weil wir wissen, dass wir hier sein dürfen und uns zeigen dürfen, wie wir eben gerade sind. Auch mit unseren Ängsten, unseren Zweifeln und unserer Wut – Gefühle, die wir sonst eher verstecken, die uns peinlich sind. Und mit unseren Hoffnungen, unseren Sehnsüchten, unseren wilden Träumen. Mit unseren Stärken, unserer Schönheit. Unserer ganzen Lebendigkeit. Dass wir erkennen und spüren: Ich bin genug so wie ich bin UND ich darf mich weiterentwickeln. 

Weiterhin ist der Courage Circle ein Kreis des wertschätzenden Dialogs. Wir sitzen miteinander im Kreis. Wir hören einander zu. Wir reden miteinander. Doch dieser Gesprächsraum hat einen spezifischen Rahmen. Wir führen keine Diskussionen, wir debattieren nicht miteinander.

Ich bin diejenige, die den Rahmen gestaltet. Wichtig ist dabei, dass wir uns am Anfang des Abends auf Vereinbarungen einigen, wie wir miteinander sein und kommunizieren wollen. So zum Beispiel, dass wir die Frau, die gerade spricht, nicht unterbrechen – ihr also nicht ins Wort fallen; dass jede Zeit hat, in sich hineinzuspüren, um das, was sie teilen will, zu sagen. Das ist nicht immer gleich in Worte fassbar, gerade wenn es frisch aus dem Moment heraus kommt. Das ist so befreiend. Und so anders, als wir es meist in anderen Situationen erleben.

Spürraum und Raum für Sprechdenken

Der Dialogkreis wird zu einem Spürraum und zu einem Raum für Sprechdenken. Dabei ist so wertvoll, dass wir aus unseren Mustern der Vergangenheit heraussteigen können, dass wir nicht bloß erzählen, was wir bereits wissen – sondern dass sich etwas gänzlich Neues zeigen kann, das sogar uns selbst überrascht. Die anderen sind da, hören zu, halten den Raum – welch Geschenk, das wir einander geben können!

Und keine muss etwas sagen oder viel sprechen, auch einfach Da-Sein, präsent zuhören, ist ein wichtiger Beitrag für die Gruppe.

Gleichzeitig achtet jede Frau darauf, auch den Raum der anderen zu respektieren und keine langen Monologe zu halten. Pausen sind wichtig und willkommen. Ich habe immer meinen Gong mit. Jede Teilnehmerin kann mir signalisieren: Schlag doch bitte den Gong. Dann halten wir für ein paar Augenblicke in der Stille inne.

Kopf, Herz und Bauch verbinden

Was ich verändere: Ich werde noch stärker als bisher auch Achtsamkeits- und Embodimentübungen einfließen lassen. Damit uns noch leichter möglich wird, Kopf, Herz und Bauch zu verbinden. Uns auch anfangs und vielleicht auch zwischendurch ein wenig bewegen, um Gedanken und Gefühle in der Bewegung in Fluss zu bringen. Lieder, Gedichte, Geschichten – auch das darf noch mehr im Circle anwesend sein.

Neu ist jedenfalls der Ort, die Trittligasse 16, Annex, in der Innenstadt von Zürich. Der Raum, der mir Anfang diesen Jahres zukam – und der mich auf so nährende Weise bei meiner Arbeit unterstützt. Ich mache viele meiner 1:1-Coachings jetzt dort, er ist auch der Hauptort der Gaia-Akademie Schweiz ist – die im Juni ebenda feierlich eröffnet wurde.

Samen werden von uns gesät

Die Pusteblume als Symbol für den Courage Circle drückt für mich aus, dass wir mit unserem Beisammensein Samen säen. Manchmal ist uns unmittelbar klar, was da Neues aufgeht. Oft zeigt es sich später. Und manchmal werden wir gar nie erfahren, was durch uns in die Welt gekommen ist. Jedenfalls dürfen wir darauf vertrauen, dass unser verkörperter Dialog etwas bewirkt.

Geben und Nehmen in Balance

Einen Teil der Einnahmen gebe ich als WaterCarrier an die TreeSisters weiter. Dieser Beitrag ist mir wichtig. Die TreeSisters sind ein globales Netzwerk von Frauen, die mit Spenden die Pflanzung von Bäumen in den Tropen finanzieren – gerade jetzt, wo so viele Wälder brennen, von immenser Bedeutung. Unter anderem gibt es auch ein Projekt in Brasilien. TreeSisters setzt sich für eine weibliche Leadership ein, wo es normal ist, nicht nur zu nehmen, sondern der Natur auch wieder etwas zurückzugeben.

Dieses Geben und Nehmen in Balance, das wollen wir im Courage Circle üben. Unser einzigartiger Weg ist kein Ego-Tripp, es ist ein Weg, der uns immer mehr zu uns selbst führt – und damit auch immer mehr zu anderen und unserem Beitrag in der Welt.

Interessiert, mehr zum Courage Circle zu lesen? Sie finden eine nähere Beschreibung und die Termine hier.

Regina Schlager

Regina Schlager öffnet im Einzel- und im Gruppensetting Räume, um in lebendigen, kreativen und achtsamen Kontakt mit sich selbst, anderen und der Welt zu kommen und aus dieser Verbindung heraus die eigene Berufung zu gestalten. Sie ist Co-Inhaberin und Co-Geschäftsführerin der ReConnect GmbH. Seit Juni 2019 leitet sie die Gaia-Akademie Schweiz in Zürich.

Schlagwörter: Entschleunigung, Achtsamkeit, Frauennetzwerk, Selbstfreundschaft, Berufung, Lebenskunst, Weiblichkeit

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