Wie dir Rituale im Homeoffice und im Lockdown helfen

27. November 2020, Regina Schlager

Viele Menschen, mit denen ich zu tun habe, waren im Frühling während des Lockdowns im Homeoffice und sind es jetzt häufig im Spätherbst wieder. Manche gehören einer Risikogruppe an und sind seit März kaum mehr aus dem Haus gekommen. Die vor der Pandemie gewohnten Tagesabläufe sind weggefallen. Ich höre immer wieder, dass die Situation schön langsam nervt. Was helfen kann, sind Rituale.

Was sind Rituale?

Wenn du „Ritual“ hörst, kommen dir zunächst vielleicht religiöse Kulte in den Sinn. Aus diesem Zusammenhang kennt man das Wort schon lange. Und vielleicht ist es dir aus diesem Grund auch irgendwie suspekt. Doch es geht weit darüber hinaus. Und Rituale können zugleich viel schlichter und alltäglicher sein.

Merkmale von Ritualen sind:

  • Wir tun etwas regelmäßig.
  • Wir tun etwas in der gleichen oder ähnlichen Form über einen längeren Zeitraum.
  • Auch besondere Ereignisse im Leben, wie Geburt eines Kindes, Hochzeit oder Tod werden mit rituellen Handlungen gefeiert oder betrauert.
  • Rituale sind bewusste Handlungen. Klarerweise kann ich auch sagen: Das Zähneputzen ist mein Morgenritual. Zu einem Ritual wird es dann, wenn ich es als Ritual sehe, ihm Bedeutung gebe und es mit Bewusstheit mache.

Warum sind Rituale wichtig?

Rituale sind aus meiner Erfahrung immer wichtig. Doch ganz besonders in Zeiten des Wandels. Dann, wenn wir uns zwischen den Stühlen fühlen, unsicher und orientierungslos.

  • Rituale geben unserem Leben Struktur.
  • Rituale schenken uns Orientierung.
  • Ein Ritual weist auf etwas hin, das Bedeutung hat für uns; wir erleben dadurch Sinn.

Die Corona-Situation mit all ihren Begleiterscheinungen wie Lockdown und Homeoffice – oder auch der eigenen Erkrankung oder Erkankungen im nahen Umfeld – wird von vielen Menschen, mit denen ich spreche, als so eine Wandlungsphase erlebt.

Rituale können uns auf tiefer Ebene nähren. Sie helfen uns, uns mit dem zyklischen Prinzip des Lebens zu verbinden. Jahreszeiten kehren immer wieder, auch unser Geburtstag, Feiertage.

Rituale können gemeinschaftsstiftend sein – wenn wir sie mit anderen gemeinsam machen. Darin liegt allerdings auch eine Gefahr: Sie können durch langen Gebrauch wie „einfrieren“. Die Rituale müssen dann in einer bestimmten, irgendwann einmal festgelegten Form ausgeführt werden. Abweichungen sind nicht erlaubt. Sie werden wie automatisch ausgeführt. Oder es gibt den Druck der Gruppe, sie auszuführen, ohne dass man das eigentlich wirklich will oder sinnvoll findet.

Welche Rituale möchtest du für dich gestalten?

Hier ein paar Impulse für mögliche Rituale:

In der Advent- und Weihnachtszeit gibt es noch traditionelle Rituale: Wie zum Beispiel ein Adventkalender. Jeden Tag ein Türchen öffnen. Und dahinter verbirgt sich ein Geschenk. Oder ein Adventkranz mit Kerzen, wobei du jeden Adventsonntag eine Kerze entzündest.

Auch das bewusste Kaffee oder Tee trinken am Morgen kann ein Ritual für dich sein.

Regelmäßige Treffen mit Familie oder Freunden, auch wenn sie meist nur online stattfinden.

Regelmäßige Termine für dich selbst: Wo du etwas tust, was dir gut tut. Stille (z.B. tägliche Meditation) und Bewegung (tägliche Bewegungszeit oder bewusste Bewegungspausen zwischen Arbeitseinheiten).

Etwas mit anderen gemeinsam machen: Gemeinsames Singen (auch einige Chöre proben jetzt virtuell, wie ich gehört habe; und Jacinda Sroka, Expertin für Stimme und Profil, lädt beispielsweise zu online „Lichtmomenten im Advent“ ein mit gemeinsamem Singen von Adventliedern).

Beziehe deine Sinne ein, richte dich auf das aus, was du schön findest: Düfte, Blumen, Farben, Musik, Kerzenlicht.

Welche Rituale kennst du? Welche hast du für dich gefunden? Oder was möchtest du neu ausprobieren? Teile deine Erfahrungen gerne in den Kommentaren.

 

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Schlagwörter: Selbstmanagement, Stressbewaeltigung, Selbstfreundschaft, Lebenskunst, Selbstführung

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