Meine Lehrer*innen: Ein persönliches Dankeschön - Teil 1

10. April 2020, Regina Schlager

Eine Freundin und Weggefährtin hat mir vor ein paar Tagen gesagt, dass sie meinen jüngsten Blogartikel „Angst, Unsicherheit und Unklarheit in der Corona-Krise“ sehr wertvoll findet. Doch warum ich darin nicht erwähne, von wem ich dies gelernt hätte? Meine erste Reaktion war: „Ich fand in diesem Fall, dass das für die Leser*innen nicht wichtig ist.“ Danach ist allerdings das Bedürfnis in mir gewachsen, meine Lehrer*innen ausdrücklich zu erwähnen und ihnen Danke zu sagen. Das tue ich hiermit.

Gabriela Piwowarska, Pixabay

Russell Delman und Embodied Life

Den Kontakt mit „allem, was in mir ist“, habe ich bei Russell Delman kennengelernt. Er verbindet in seinem Embodied-Life-Ansatz „Embodied Movement“ (hier vor allem aus der Feldenkrais-Methode kommend), „Embodied Meditation“ und „Embodied Inqiry“ (mit starkem Einbezug von Focusing). Mich hatte es zu einem Workshop von ihm im Februar 2008 gezogen. Damals lebte ich noch in Wien, der Wochenend-Workshop fand in Wien statt.

An diesem Wochenende hat sich etwas für mich verändert: Als ich am Samstag Abend zur U-Bahn-Station Volkstheater ging, nahm ich die Farben intensiv und leuchtend war. Die Formen der Gründerzeithäuser und des kunsthistorischen Museums traten präzise hervor, kamen mir wie klar herausgeputzt entgegen. Es war, als hätte sich ein Schleier gelüftet und eine neue Welt für mich geöffnet. Ich schlenderte aufrecht, spürte eine Weite in mir, fühlte mich unbeschwert und fröhlich. Frauen und Männer, die mir entgegenkamen, schauten mich an. Etwas in mir schien nach außen zu strahlen.

Nach ein paar Workshops und Retreats bei Russell Delman habe ich dann die 3-jährige  Ausbildung „Embodied Life Mentorship Program“ in Deutschland absolviert. Mit den Teilnehmer*innen aus diesem Programm und weiteren aus anderen ELMP-Jahrgängen bin ich weiterhin verbunden.

Focusing, Eugene Gendlin und Ann Weiser Cornell

Von der Embodied-Life-Arbeit ausgehend habe ich mich mehr und mehr mit Focusing beschäftigt. Die Methode Focusing wurde vom Psychotherapeuten und Philosophen Eugene Gendlin entwickelt. Durch Russell Delman habe ich vor allem auch Zugang gefunden zum Focusing-Ansatz von Gendlins Schülerin Ann Weiser Cornell „Inner Relationship Focusing“: Sie legt mehr Gewicht auf die liebevolle Haltung allen Anteilen in einem selbst gegenüber als dies Gendlin anfangs tat (in seinem Buch „Focusing“ sagt er zum „Inneren Kritiker“ zum Beispiel noch „Geh weg. Du hast nichts Wichtiges zu sagen.“)

Über die Embodied Life School bin ich dann auf Focusing-Lehrer Elmar Kruithoff aufmerksam geworden, der auch auf Deutsch tätig ist. Er hat Seminare für Ann Weiser Cornell in Hamburg organisiert. 2015 habe ich bei einem Wochenend-Seminar teilgenommen. Es ging darum, die Anteil zu lieben, die wir am wenigsten an uns lieben (spannend!). Danach habe ich bei Elmar Kruithoff Selbsterfahrung und Focusing-Weiterbildungen gemacht. In den letzten Jahren habe ich auch ein paar Mal Workshops für ihn in Zürich organisiert. Es ist eine schöne Kollegialität und Zusammenarbeit entstanden.

Was mir Embodied Life und Focusing bedeuten

Embodied Life und Focusing fließen sehr stark in meine eigene Arbeit ein. Ich halte diese verkörperte, liebevolle Wahrnehmung von allem, was in einem auftaucht, als Basis für die eigene Gesundheit und für nachhaltige Veränderung.

Bei Russell Delman schätze ich sehr, dass er die Wahrnehmung im „stillen Sitzen“ (Meditation) mit der achtsamen Selbsterforschung kombiniert. Die zwei Zugänge sind verwandt, doch unterscheiden sie sich auch wesentlich.

Ich bin Russell Delman, Eugene Gendlin, Ann Weiser Cornell und Elmar Kruithoff sehr dankbar für das, was ich von ihnen lernen durfte und weiterhin lerne. (Bei Eugene Gendlin nicht in persönlichem Kontakt, sondern mit Büchern und DVDs). Das, was ich lerne, das, was ich erlebe und übe, darf einfließen in die individuelle Art und Weise, wie wiederum ich es in die Welt gebe.

In Teil 2 erzähle ich ausführlicher, was mir Embodied Life und Focusing bedeuten. Und ich gehe auch auf TAE – Thinking at the Edge ein.

Und im Laufe der letzten Jahre sind noch andere Lehrer*innen dazu gekommen. Doch davon zu einem anderen Zeitpunkt.

Bild: Gabriela Piwowarska, Pixabay

Regina Schlager

Regina Schlager öffnet im Einzel- und im Gruppensetting Räume, um in lebendigen, kreativen und achtsamen Kontakt mit sich selbst, anderen und der Welt zu kommen und aus dieser Verbindung heraus die eigene Berufung zu gestalten. Sie ist Co-Inhaberin und Co-Geschäftsführerin der ReConnect GmbH. Seit Juni 2019 leitet sie die Gaia-Akademie Schweiz in Zürich.

Schlagwörter: Wachstum, Achtsamkeit, Koerperwissen, Selbstfreundschaft, Veraenderung, Lernen, Embodiment

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