In Dankbarkeit von deinem Job Abschied nehmen

23. September 2020, Regina Schlager

Wenn Frauen zu mir ins Coaching kommen, dann stehen sie meist davor, sich von etwas zu verabschieden: von Glaubenssätzen, die nicht mehr passen; von Gewohnheiten, aus denen sie herausgewachsen sind; von Rahmenbedingungen ihrer Arbeit. Manche möchten ihren Job kündigen. Ich habe im Laufe meines Lebens gelernt, wie wichtig es ist, sich bewusst zu verabschieden. Auch bei einer Kündigung. Als ich das einmal nicht getan habe, ist lange etwas nachgehangen, ich habe es mitgeschleppt – und es hat mich in meinem Weitergehen behindert.

Ich habe damals in einer Firma gekündigt, in der ich 10 Jahre lang gearbeitet hatte. Ich wollte gehen. Ich merkte schon länger, dass ich mich dort nicht weiterentwickeln kann. Ich wechselte von einem kleinen Unternehmen in ein internationales, was mir zu dem Zeitpunkt sehr verheißungsvoll erschien und neue Horizonte eröffnete.

Aus verschiedenen Gründen ist der Abschied von meinem damaligen Chef nicht optimal gelaufen. Und da ich schon so sehr dem Neuen entgegenfieberte und wohl auch einer weiteren Auseinandersetzung mit ihm aus dem Weg gehen wollte, war meine Stimmung: "Nichts wie weg, auf zum Neuen".

Da ist etwas offen geblieben. Und es hat mich noch jahrelang in meinen Träumen begleitet: als Hinweis, das hier noch etwas anzuschauen, noch etwas zu lösen ist.

Pixabay - Jill Wellington

Gute Abschiede sind Akte der bewussten Gestaltung

Gute Abschiede ergeben sich nicht einfach so von alleine. Es sind Akte der bewussten Gestaltung. Heute weiß ich, dass Wertschätzung dabei zentral ist. Auch wenn mir an einer Situation vieles missfällt und ich mich entscheide, zu gehen, so ist es doch ausschlaggebend, wertzuschätzen, was war.

Nicht dass mir alles gefallen hat oder alles in Ordnung für mich war. Nicht dass ich eigentlich bleiben müsste. Doch kann ich zurückschauen und die Geschenke in dem suchen, was sich ereignet hat. Gerade auch in den Schwierigkeiten habe ich etwas über mich gelernt. Und ich habe den Mut entwickelt, zu mir zu stehen und aufzubrechen in etwas Neues.

Bei jedem Abschied kann ich mich fragen: Wofür bin ich dankbar? Ich kann in Dankbarkeit zurückschauen. Die Ernte meiner Erlebnisse und Erfahrungen in Dankbarkeit einfahren. Was befindet sich auf deinem Gabentisch und in deinem Erntekorb?

Jeder Abschied ist ein Trauerprozess

Jeder Abschied ist mit Trauer verbunden. Ja, auch eine Kündigung ist ein Trauerprozess. Das hört sich für dich jetzt vielleicht extrem an. Es stirbt ja niemand! Doch war dieser Job einige Zeit, vielleicht lange, ein Teil deines Lebens. Du hast vieles erlebt, vieles gelernt.

Du warst mit Menschen in Beziehung. Du bist wahrscheinlich nicht mit allen gut ausgekommen. Die Gegenwart von manchen konntest du vielleicht kaum ertragen. Und doch hinterlässt jede Beziehung Spuren in dir.

Schau, was bei einem Abschied für dich stimmig ist: Ein Abschiedsessen mit deinen Kolleginnen und Kollegen, kleine Aufmerksamkeiten und Dankeschöns, ein Abschiedsritual ganz allein für dich.

Und lass es zu, wenn du Traurigkeit spürst. Sei gut und sorgsam zu dir. Du denkst vielleicht: "Warum bin ich traurig, ich möchte dort doch schon längst weg!". Doch hat es sicherlich auch Aspekte gegeben, die dir wertvoll waren. Und jeder Abschied zeigt dir, dass nichts dauerhaft ist. Dass das Leben ein kontinuierliches Sterben und Werden ist.

Bild: Pixabay - Jill Wellington

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Schlagwörter: Wachstum, Selbstmanagement, Achtsamkeit, Selbstfreundschaft, Veraenderung, Lebenskunst

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