Die Kraft des Nein

3. September 2020, Regina Schlager

Wie geht es dir mit dem Nein-Sagen? Viele Frauen, die bei mir im Coaching sind, tun sich schwer damit. Und ich selbst bin nicht gerade in einer Familie aufgewachsen, wo es eine „Kultur des Nein” gab und Grenzen respektiert wurden. Als Kinder haben wir Angst vor den Konsequenzen, wenn wir nicht das tun, was unsere Eltern von uns wollen. Denn wir sind ja wirklich von unseren Bezugspersonen abhängig.

Vielleicht übernimmst du eine Aufgabe in einem Verein, weil sie sonst niemand machen will, obwohl du weißt, dass du jetzt schon keine freie Minute für dich hast. Oder du grollst innerlich, wenn dir deine Chefin, kurz bevor du nachhause gehen willst, noch etwas zum Erledigen auf den Schreibtisch legt, und machst dich verärgert an die Arbeit. Und die Schwiegereltern kündigen sich für das Wochenende an, obwohl du doch eigentlich einen Sonntag lang deine Ruhe haben wolltest; du willst nicht, dass sie sich gekränkt fühlen und sagst also nichts über deinen ursprünglichen Plan.

In unserer Kultur wird uns ein Nein und ein Ja als Werturteil vermittelt.

Wenn uns ein Nein und ein Ja als Werturteil vermittelt werden, glauben wir: „Wenn ich Ja zu etwas sage, sage ich auch Ja zu der Person.” „Wenn ich Nein zu etwas sage, lehne ich diese Person ab.” Das führt uns dazu, Zusagen zu machen, die wir später wieder bereuen. Es hält uns ab, ehrlich über unsere Bedürfnisse zu sprechen. Wir malen uns Dramen aus, die im Falle eines Nein passieren.

Und, was es noch komplexer macht: Das Wort Nein ist tatsächlich sehr kraftvoll, es ist mächtig. Es ist wichtig, sehr verantwortlich damit umzugehen. Wenn wir das tun, dann hilft es uns, gesunde Grenzen zu entwickeln und zu pflegen. Und es lässt uns unser tiefes Ja leben.

Hier gebe ich dir noch eine Übung zum Erkunden mit auf den Weg:

Erkundung: Atempause vor einer Ja/Nein-Antwort

Dir Raum durch drei Atemzüge geben: Bevor du jemandem antwortest, der dich bittet, etwas zu tun, nimm drei tiefe Atemzüge. Visualisiere dir dann innerlich, wie du das, um was du gebeten wirst, ausführst. Beobachte, wie sich das in deinem Körper anfühlt. Bring deine Aufmerksamkeit vor allem in deinen Bauchraum, wo eine intuitive Ja-Nein-Antwort zuhause ist.

Nimm die Informationen aus deinem Körper auf und lass sie einfließen in deine Entscheidung, ob du Ja oder Nein zu der Bitte sagst.

Eine Bedenkzeit nehmen: Wenn drei Atemzüge zu kurz dafür sind, und vor allem bei größeren Entscheidungen, nimm dir eine Bedenkzeit. Sage, dass du ein wenig Zeit brauchst, um eine Antwort zu geben.

Teile gerne im Kommentarfeld oder auch persönlich an mich per E-Mail, wie es dir mit dem Nein geht, und auch mit der von mir vorgeschlagenen Erkundung.

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Schlagwörter: Entschleunigung, Stressbewaeltigung, Koerperwissen, Selbstfreundschaft

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