Bronnie Ware: 5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen (Rezension)

19. Januar 2021, Regina Schlager

Die australische Autorin, Songwriterin und Sängerin Bronnie Ware hat acht Jahre lang sterbende Menschen begleitet. Sie ist eine gute Zuhörerin: Viele dieser Menschen haben sich ihr geöffnet; und ihr erzählt, was sie jetzt, am Ende ihres Lebens, am meisten bereuen. In ihrem Buch "5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen" beschreibt sie, was am häufigsten genannt wurde.

Der Jahresanfang ist ein guter Zeitpunkt, um nach vorne zu blicken und sich zu fragen: Wie möchte ich dieses Jahr verbringen? In meinen Coachings lade ich immer wieder dazu ein, gedanklich bis ans Lebensende vorzuspulen und sich zu fragen: Wie möchte ich gelebt haben? Was ist vielleicht ungelebt geblieben - und warum? Das setzt den Mut voraus, sich überhaupt damit zu konfrontieren, dass man einmal sterben wird. Und es öffnet den Raum für das, was einem wirklich wichtig ist, worin das eigene Potenzial liegt und was man jetzt bereits tun kann, so zu leben.

Hier die fünf Einsichten von Sterbenden, die Bronnie Ware in ihrem Buch beschreibt:

1) "Ich bin mir bei der Gestaltung meines Lebens nicht selbst treu gewesen."

Eine freundliche Frau spricht davon, dass sie sich ihr ganzes Leben lang danach gerichtet hatte, was andere wollten. Ihre eigenen Wünsche hatte sie total vernachlässigt – ja, sie hatte sich eigene Wünsche gar nicht zugestanden. Bronnie Ware wird im Gespräch mit dieser Frau klar, dass sie selbst sich weiterhin treu bleiben möchte. Es war ihr selbst nicht leicht gefallen, aus dem auszubrechen, was ihre Familie für richtig hielt. So hatte sie jahrelang in der Bankbranche gearbeitet, was ihr überhaupt nicht entsprach.

2) "Ich habe viel zu hart gearbeitet."

Ein Mann erkennt in den letzten Wochen seines Lebens, dass er zu viel gearbeitet hat. Auch als er bereits im Ruhestand-Alter war, arbeitete er weiter, obwohl seine Frau und er Geld auf die Seite gelegt hatten. Dabei lag ihm gar nicht so viel an der Arbeit selbst, doch an dem Status, den sie ihm verschaffte. Er fühlte sich durch seine Rolle definiert. Darüber vernachlässigte er die Beziehung zu seiner Frau und seiner Familie. Als seine Frau plötzlich starb, war es zu spät für gemeinsam verbrachte Zeit. Nun weiß er, dass Ausgeglichenheit im Leben wichtig ist und regt Bronnie Ware an, in ihrem Leben darauf zu achten.

3) "Ich hatte nicht den Mut, meine Gefühle zu zeigen."

Ein Mann erzählt Bronnie, dass er seiner Familie nie die Chance gegeben hatte, ihn kennenzulernen. Er hat viel gearbeitet, um seine Frau und seine Kinder auf Distanz zu halten. Zu seinen Kindern hatte er keine liebevolle Beziehung aufgebaut, sondern ihnen nur beigebracht, wie man Geld verdient. Jetzt wiederum kann seine Familie nicht mit seinem Sterben umgehen, sie wollen es ihm verheimlichen. Doch er spürt, dass es soweit ist. Bronne Ware fasst den Entschluss, ihren Gefühlen von nun an stärker Ausdruck zu verleihen.

4) "Ich wünschte, ich hätte den Kontakt zu meinen Freunden nicht abreißen lassen."

Eine Frau, um die sich Bronnie Ware in einem Pflegeheim kümmert, bedauert, dass sie die Beziehung zu ihren Freunden nicht richtig gepflegt hatte. Jetzt fühlt sie sich einsam. Mit Hilfe von Bronnie gelingt es ihr, mit ihrer besten Freundin Kontakt aufzunehmen und sich am Telefon ausgiebig auszutauschen - und sie blüht förmlich auf dabei.

5) "Ich wünschte, ich hätte mir mehr Freude gegönnt."

Eine Frau, die sich zunächst sehr schroff benimmt, vertraut Bronnie Ware an, dass sie sich nicht zugestanden hatte, glücklich zu sein. Sie dachte, dass sie Glück nicht verdiene. Sie hatte schon früh Karriere in einem Weltkonzern gemacht, als das für Frauen noch sehr unüblich war. Sie hatte Anerkennung in ihrem Beruf gesucht, nachdem sie als Frau nicht wertgeschätzt und von ihrem Mann misshandelt wurde. Die Scheidung war damals noch ein gesellschaftlicher Makel und ein Skandal in der Familie. Im Sterbeprozess erkennt diese Frau, dass es unsere Entscheidung ist, glücklich zu sein. Und es gelingt ihr, noch Momente der Freude zu erleben.

Fazit

Ein sehr inspirierendes Buch. Es verbindet die Erfahrungen der Autorin mit sterbenden Menschen und ihren eigenen Lebensweg. Sehr schön finde ich, wie in dem Buch dargestellt wird, dass die Autorin sich selbst und ihr Leben durch die Beziehung mit den Menschen, die sie begleitet, reflektiert: Sie fühlt sich entweder auf ihrem Weg bestätigt oder auch zu Veränderungen angeregt. In jedem Begleitprozess lernt sie selbst Wichtiges über sich und ihr Leben.

 

Angaben zum Buch:

Bronnie Ware: 5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen. Einsichten, die Ihr Leben verändern werden. Goldmann (2015)

Cover Bronnie Ware: 5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen

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Schlagwörter: Buchbesprechungen, Selbstfreundschaft, Potential, Veraenderung, Lebenskunst

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