Liebevoll zu sich selbst sein - was heißt das eigentlich? (2)

21. April 2021, Regina Schlager

In meinem Artikel "Liebevoll zu sich selbst sein - was heißt das eigentlich (1)" von Jänner 2021 schreibe ich, dass das Verständnis von "liebevoll zu sich selbst sein" mit der Sichtweise zusammenhängt, die man von sich selbst, vom Mensch-Sein und von der Welt hat. Was meine ich selbst damit?

Hier ein paar grundlegende Annahmen von mir:

  • Jeder von uns ist einzigartig, bringt ganz individuelle Anlagen und Talente mit - und ist gerufen, in diesem Leben die eigene Berufung zu gestalten.
  • Und gleichzeitig ist jeder mit allen und allem verbunden.
  • Der gefühlte Sinn und die Freude, die darin liegt, "sein Eigenes" zu leben und das Erleben (nicht nur Wissen!), dass das nur in der Verbundenheit geschehen kann, zeigt uns, dass es nicht egoistisch ist (im Sinne von ichsüchtig und rücksichtslos), "ganz ich selbst zu sein".
  • Jeder, der hier auf die Welt kommt, hat das Recht, hier zu sein, Raum einzunehmen und sich zu entfalten (was nicht heißt, viel mehr Raum als andere Menschen und auch andere Lebewesen für sich zu beanspruchen).
  • Was für mich gilt, gilt auch für alle anderen Menschen. Daher stößt meine Freiheit an Grenzen, wenn sie andere Menschen bei der Entfaltung ihrer Berufung behindert. (Hier wird es knifflig ;-)

Von diesen Annahmen ausgehend - welches Verhalten sich selbst gegenüber ist dafür förderlich, sein Eigenes zu leben?

Wenn ich mich ständig kritisiere? Wenn ich mich kleinmache, mir nichts zutraue? Wenn ich mich zu ständigem Geschäftigsein und immer größeren Leistungen antreibe? - Ich denke, nein.

Werte ich mich ab – und ziehe mich zurück oder plustere mich auf –, dann bedeutet das, mir Gewalt anzutun. Doch ist das nicht verwunderlich, da wir in unserer Gesellschaft so ein Verhalten schon früh als "normal" mitbekommen. Doch können wir uns fragen: Will ich das weiterhin tun?

Liebevoll zu sich selbst zu sein, bedeutet, anders mit mir umzugehen: offen, neugierig, zugewandt. Schon in dieser Offenheit liegt für mich etwas Liebevolles. So wie mit einer Freundin, bei der ich interessiert bin, wie es ihr geht und was sie mir erzählen will. Ohne sie zu unterbrechen, moralisch entrüstet zu sein über ihre Handlungen oder sie mit Ratschlägen zu überhäufen.

Ich meine mit liebevoll nicht, dass ich nur mehr alles harmonisch-positiv-rosarot sehen darf. Oder dass ich nicht mehr unterscheiden darf, was ich gut finde und was nicht. Im Gegenteil, das liebevolle Verhalten erlaubt mir, auch das zu sehen, was ich zunächst eigentlich nicht sehen will und was ich verändern möchte. Zum Beispiel, wenn ich merke, dass ich Dinge anhäufe, es mir schwer fällt, loszulassen - und ich aber gerne mit weniger auskommen und großzügiger sein möchte. Ich kann mich dem ohne Vorurteile näher zuwenden. Denn es hat einen Grund, warum es jetzt so ist.

Durch die liebevolle Aufmerksamkeit können sich tief sitzende Muster verwandeln. Meiner Erfahrung nach verändern sie sich vielleicht kurzfristig durch Tadel und Kritik – doch ist das nicht dauerhaft. Anteile, die nicht getadelt werden möchten (wer will das schon), rebellieren oder ziehen sich total zurück.

Das sind meine Annahmen - und du kannst klarerweise ganz anderer Ansicht sein. Lass es mich wissen. Kommen wir ins Gespräch. Du kannst gerne einen Kommentar zu diesem Blogartikel schreiben. Oder du schreibst mir ein E-Mail.

 

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Schlagwörter: Wachstum, Achtsamkeit, Selbstfreundschaft, Veraenderung, Berufung, Lebenskunst, Selbstmitgefühl, Selbstführung

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