Wie Resilienz in der Corona-Pandemie, Lockdown und Homeoffice hilft

12. Mai 2021, Regina Schlager

Sabine M. ist eine feinfühlige Frau mit vielen Interessen und dem Wunsch, sinnerfüllt zu arbeiten. Sie möchte ihren wahrhaftigen Weg gehen. Seit über einem Jahr arbeitet sie aufgrund der Corona-Pandemie großteils im Homeoffice. Sie wohnt nicht alleine; ständig jemanden um sich zu wissen, macht sie innerlich unruhig. Es fällt ihr schwer, sich ihren Raum zu nehmen. Doch sie braucht Zeiten, um für sich zu sein. Manchmal hält sie es kaum aus, es zum aus der Haut fahren!

Der Kontakt zu ihren Kolleg*innen im Büro fehlt Sabine mittlerweile schon sehr. Ihre Berufstätigkeit findet sie nicht in allem sinnvoll und erfüllend, aber der kurze Austausch bei der Kaffeemaschine war stets ein guter Ausgleich. Und auf diesem Weg konnte sie auch Neuigkeiten aus der Firma erfahren, die für ihre Arbeit wichtig sind. Die Zoom-Meetings sind praktisch, den persönlichen Kontakt ersetzen können sie allerdings nicht. Es hat bereits zu Missverständnissen geführt, weil sie nicht mal so eben zu einem Kollegen oder der Chefin gehen konnte, um etwas abzuklären, sie hat Fehler gemacht. Und das macht sie zunehmend unsicherer, sie spürt Stress.

Dazu kommt noch, dass es sie anstrengt, so viel vor dem Bildschirm zu sitzen. Sie hat häufig Kopfschmerzen, die Augen tun ihr weh. Am Abend kann sie sich dann nicht mehr aufraffen, in dem Erzählband weiterzulesen, den sie vor einem Monat begonnen hat – obwohl sie die Geschichten sehr interessieren. Und obwohl sie weiß, dass ihr Bewegung gut täte, fühlt sie sich zu schlapp dazu. Ganz zu schweigen von der Zoom-Sitzung in dem gemeinnützigen Verein, wo sie mitwirkt – dazu hat sie jetzt überhaupt keine Energie mehr.

Frau vor dem Laptop, in einen Bleistift beißend, verzweifelt; pixabay - Jan Vasek

Findest du dich in einem oder mehreren Punkten in dieser Geschichte wieder?

Die Auswirkungen der Lockdowns

Wenn du diesen Blog liest, gehörst du wahrscheinlich zu den stillen, eher introvertierten Menschen, die den respektvollen Austausch mit anderen schätzen, doch ruhige Zeiten für sich alleine brauchen.

Bei den Maßnahmen, die uns die Corona-Situation gebracht hat und weiterhin bringt, ist der Grad schmal zwischen dem Gefühl der Isolation für die, die zuhause arbeiten und zusätzlich noch alleine wohnen, und dem Gefühl, überhaupt nicht mehr für sich sein zu können, wenn man mit mehreren Personen im Haushalt wohnt (vor allem mit Kindern während der Zeiten des Home-Schoolings).

In der österreichischen Wochenzeitung Falter erzählt ein Allgemeinmediziner (Hausarzt), dass er nach den Lockdowns große Auswirkungen bei Patienten feststellt: Existenzängste, Dauerstress, Gefühl von Beengtheit. Einige seiner Patienten haben das Gefühl, auf der Couch zu veröden. Viele davon fühlen sich ohnmächtig. Und der Arzt merkt, wie sehr seine Patienten in dem einen Jahr gealtert sind.1)

Wie uns das Corona-Jahr beeinflusst hat, hängt stark mit Resilienz zusammen

Wenn es dir nach diesem Corona-Jahr nicht gerade prächtig geht – du bist nicht alleine. Es war ein herausforderndes Jahr, das uns alle beeinflusst hat. Wie und in welchem Ausmaß, das hängt stark mit Resilienz zusammen.

Darüber, was Resilienz bedeutet und woher das Wort kommt, habe ich in einem eigenen Blogartikel geschrieben.2) Kurz gefasst ist damit die Fähigkeit gemeint, mit schwierigen Situation oder Krisen so umgehen zu können, dass man psychisch und körperlich gesund bleibt. Oder sich wieder schnell erholt, wenn es einen umgeworfen hat (das finde ich wichtig, und es wird bei den Definitionen von Resilienz meist nicht erwähnt. Ja, es kann sein, dass uns eine Situation überwältigt. Das ist menschlich. Und oft gibt uns erst eine Krise den Anstoß zu umfassenden, für uns wichtigen Veränderungen, die wir im alltäglichen Trott nicht gemacht hätten.) Es kann sogar soweit gehen, dass man gestärkt aus der Krise herauskommt.

Resilienzfaktoren

In der Resilienzforschung werden Resilienzfaktoren genannt. Gefunden habe ich sie im Buch „Corona. Wie Sie die psychischen Herausforderungen meistern“ der psychologischen Psychotherapeutin Gabriele Frohme.3)

  • Akzeptanz
  • Optimismus
  • Verlassen der Opferrolle
  • Übernahme von Verantwortung
  • Etappenziele verfolgen
  • Stabiles Netzwerk

Doch was genau bedeuten diese Faktoren und wie kommt man dazu, sie zu stärken und in sein Leben zu integrieren? Und fehlen welche? Dazu werde ich in weiteren Artikeln aus meiner Sicht und Erfahrung schreiben. (Wenn du über weitere Artikel informiert werden willst, abonniere am besten meinen Newsletter. Siehe am Ende des Blogartikels.)

In einem meiner kommenden Artikel möchte ich gerne erzählen, wie ich die Zeit seit März 2020 erlebt habe – und was ich in Sachen Resilienz an mir selbst beobachtet und gelernt habe.

Wie ist es dir während den Lockdowns oder der Corona-Zeit insgesamt ergangen? Findest du dich in der anfangs erwähnten Geschichte wieder? Und was hältst du von den Resilienzfaktoren? Gerne lese ich von dir in den Kommentaren oder auch per E-Mail.

Quellennachweise:

1) Lukas Matzinger: Hundert Jahre Einsamkeit. Falter 17/21 vom 04.05.2021

2) Regina Schlager: Was bedeutet Resilienz? Blogartikel vom 05.05.2021

3) Siehe in: Gabriele Frohme: Corona. Wie Sie die psychischen Herausforderungen meistern. Trias 2020, S. 143.

Bild: Pixabay - Jan Vasek

 

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Schlagwörter: Selbstmanagement, Stressbewaeltigung, Selbstfreundschaft, Lebenskunst, Selbstführung, Resilienz

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