Was der Wunsch nach Anerkennung mit Glaubenssätzen zu tun hat

30. Juni 2022, Regina Schlager

Möchtest du wertgeschätzt werden? Möchtest du von anderen anerkannt werden? Der Wunsch nach Anerkennung ist häufig mit Glaubenssätzen, die in der Kindheit entstanden sind, verbunden: Ablehnung oder Kritik führen dann zu Reaktionen, die kindlichen Mustern entsprechen. Tatsache ist: Wir können andere Menschen nicht kontrollieren oder verändern. So bleibt, bei uns selbst anzusetzen.

Als Kind sind wir auf die Zuwendung und den Schutz unserer nächsten Bezugspersonen angewiesen. Mama wird wütend, wenn ich übermütig bin? Dann passe ich mein Verhalten entsprechend an – denn aus kindlicher Sicht verliere ich sonst ihre Liebe, was sich oft auch in realem Liebesentzug bestätigt: "Bist du nicht, wie ich dich haben will, dann bist du ein böses Kind, dann mag ich dich nicht mehr." Klarerweise kann das viel subtiler und nicht mit diesen Worten ablaufen. Und nicht einmal mit Worten, es genügt, wenn du als Kind die Blicke der Eltern wahrnimmst, ihre Gesten, ihre Gefühle aufsaugst.

"Ich muss immer brav und still sein."

So kann ein Glaubenssatz entstehen, wie etwa: "Ich muss immer brav und still sein. Wenn ich das befolge, dann werde ich von den anderen gemocht, dann bin ich okay." Meine Meinung zu sagen, wenn mir in einer Situation etwas nicht passt, kann dann sehr schwierig sein.

Ich habe neulich in einer Situation mit einem Therapeuten erlebt, dass immer noch ein stückweit das Programm "Ich muss immer brav sein" in mir abläuft, wohl noch verstärkt durch das Muster der guten Schülerin, die alles befolgt, was ihr der Lehrer, hier Therapeut, sagt, denn er ist ja der Experte.

Der Therapeut verhielt sich in einer Art und Weise, die ich nicht richtig empfand und bei der ich mich nicht wohl fühlte: Er machte abwertende Äußerungen über meinen momentanen Zustand (es ging um meinen Rücken). Und er übte Druck aus, dass sich schnell etwas bessern müsse. Die Atmosphäre war hektisch und leistungsgetrieben.

Ich fühlte mich überhaupt nicht gesehen und angenommen in meinem Bedürfnis, den Jetzt-Zustand urteilsfrei anzunehmen und an einer Besserung zu arbeiten, doch ohne unter Druck gesetzt zu werden.

Es spielte wohl auch mit, dafür anerkennt werden zu wollen, doch etwas zu leisten: Schauen Sie doch, ich komme hierher, ich tue doch was, ich leiste was. Auch das als Muster aus der Kindheit: Wenn ich etwas leiste, dann hat man mich lieb.

Zwei Sitzungen lang reagierte ich auf sein Verhalten mit Verwirrung, innerlichem Groll, nackter Angst vor Verletzungen plus eingestreuten aufsässig-schnippischen Bemerkungen. Nach dem dritten Mal (ja, es dauerte...) gestand ich mir zu, nicht weiter zu diesem Therapeuten zu gehen. Ich wollte es ihm telefonisch mitteilen, doch war er nicht erreichbar. So habe ich das per E-Mail getan.

Keine Antwort.

Es lag nicht in meinem Einfluss, wie er reagieren wird. Sicher wäre es angenehm gewesen, wenn er sich noch dazu geäußert hätte. Und mir wäre es lieber gewesen, es schon in der Sitzung selbst zu sagen, dass mir sein Verhalten nicht zusagt und ich deshalb die Therapie bei ihm nicht weitermache, nicht erst im Nachhinein. Das habe ich mir als Erkundungs- und Lernziel gesetzt: in der Situation selbst sagen, was nicht in Ordnung ist für mich.

Der entscheidende Schritt war, bei mir selbst anzusetzen

Doch der entscheidende Schritt war, bei mir selbst anzusetzen: Wahrnehmen, dass etwas nicht stimmt für mich. Erkennen, dass da etwas abläuft, was für mich grenzverletzend ist, und dass ich aus Glaubenssätzen heraus reagiere. Erst dann kann ich aktiv etwas tun: Nein, das ist nicht in Ordnung für mich. Ich ziehe die Konsequenz daraus.

Als weiterer Schritt folgt das weite Feld des WIE: wie tue ich das, wie kommuniziere ich, welche Entscheidungen treffe ich.

Wie geht es dir mit der Anerkennung? Und wenn du sie von jemandem nicht bekommst?

 

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Schlagwörter: Achtsamkeit, Selbstfreundschaft, Veraenderung, Selbstmitgefühl, Selbstführung