Was Feedback mit Resonanz zu tun hat

7. Juli 2022, Regina Schlager

In einer der Firmen, in der ich in Wien gearbeitet habe, hat eine Kollegin zu mir gesagt: "Mein Chef gibt mir überhaupt keine Rückmeldung. Wenn er wenigstens irgend etwas sagen würde, es kann auch negativ sein. So aber schwebe ich wie im luftleeren Raum."

Menschen brauchen Resonanz

Wir Menschen brauchen Resonanz. Wir wollen uns eingebettet fühlen in einen Zusammenhang: vom anderen hören, wie er uns wahrnimmt; wie das, was wir tun, wirkt. Ganz allein für uns sind wir uns gar nicht greifbar.

In der Systemtheorie spricht man von Rückkopplungsschleifen. Demnach reguliert sich jedes offene System - das kann ein biologisches sein wie ein Mensch oder ein soziales wie eine Familie oder ein Unternehmen - selbst durch Rückkoppelungen, das heißt, indem es beobachtet und bewertet, was das eigene Handeln bewirkt.

Rückkopplung braucht Information. Werden uns Informationen vorenthalten oder schneiden wir uns selbst von Informationen ab, dann wird diese Selbstregulation außer Kraft gesetzt. Und uns selbst regulieren zu können, bedeutet, immer wieder in die Balance zu kommen, gesund zu sein, am Leben zu bleiben.

Meine Kollegin wollte irgendetwas von ihrem Chef hören, es konnte auch negativ sein. Das hat mit Wahrgenommen-Werden zu tun, zu wissen, dass die eigene Arbeit überhaupt Bedeutung hat.

Bloß positives Feedback? - Das zu erwarten, ist nicht hilfreich.

Problematisch wird es, wenn wir nur positives Feedback annehmen können. Und in der Erwartungshaltung sind, dass anerkennende Worte kommen.

Auch ich werde gerne wertgeschätzt. Ich blühe auf in einer Atmosphäre, in der wertschätzende Rückmeldungen möglich sind. Es ist ein förderliches Klima für mich. Um beim Blog zu bleiben: über positives Feedback wie "Deinen Blogartikel habe ich sehr geschätzt, weil...", Du schreibst gut", "Deine Arbeit inspiriert mich" freue ich mich.

Doch was ist, wenn ich von jemandem erwarte, dass er mir etwas für mich Positives rückmeldet? Wie reagiere ich dann, wenn es eher in diese Richtung geht: "Das, was du von dir gibst, ist öd, dazu auch noch viel zu lang, das will doch keiner lesen." Uups.

Den eigenen Glaubenssätzen zuwenden

Wenn in mir Glaubenssätze laufen wie "Ich muss es allen recht machen", mit der Angst dahinter, dass wenn nicht, ich abgelehnt werde (und schon rattert das volle Programm los, abgelehnt, ausgestoßen, nicht mehr zugehörig...), dann wird letztere Aussage über meine Blogartikel wahrscheinlich etwas in mir triggern.

Ein Glaubenssatz könnte auch sein: "Ich muss immer alles perfekt machen", auch dann wird die Aussage wahrscheinlich etwas in mir aufstacheln: "Ich bin nicht gut genug, nie mache ich etwas richtig". Dann gilt es, mich diesen Glaubenssätzen zuzuwenden.

Denn, ausschließlich positives Feedback hören zu wollen, heißt im Grunde, nicht dazu lernen zu wollen. Ich will, dass alles beim Alten bleibt. Das schränkt ein. Beschränkt. Will ich das? Nein.

An einer wertschätzenden Feedback-Kultur mitarbeiten

Und ja, natürlich kann ich auch – sofern die Rahmenbedingungen es zulassen – dem anderen sagen, welche Form von Feedback für mich hilfreich ist und welche nicht; oder auch gemeinsam an einer wertschätzenden Feedback-Kultur arbeiten.

Das kann in einer Gruppe sein, in der ich mich engagiere, in der Familie, im Unternehmen, in dem ich arbeite oder das ich leite, mit den Kund*innen, mit denen ich zusammenarbeite.

In so einem wertschätzenden Klima gibt es dann auch die Wahrnehmung und ein Verständnis für die oben geschilderten Mechanismen von Glaubenssätzen und Triggern. Sie werden nicht als Versagen gesehen, sondern als Chance, sich von hinderlichen Mustern zu befreien, zu lernen und sich weiterzuentwickeln.

 

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Schlagwörter: Fuehrung, Selbstmanagement, Kommunikation, Systemtheorie, Selbstmitgefühl, Selbstführung

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