Gunther Schmidt: Burnout als Kompetenz

07.10.2012, Regina Schlager

Im meinem letzten Blogartikel "Burnout: Brennen oder ausbrennen?" hatte ich ja geschrieben, dass meines Erachtens bei Burnout oft die Dimensionen Sinn und Werte vernachlässigt werden. Nun bin ich auf ein kurzes Video mit Gunther Schmidt gestoßen, das ich sehr interessant finde.

Gunther Schmidt ist Arzt, Therapeut und Coach. Er hat den hypnosystemischen Beratungsansatz enwickelt und leitet das Milton-Erickson-Institut in Heidelberg.

In dem Ausschnitt aus einem Vortrag spricht er davon, dass das Eigentliche, was erschöpft, der Kampf nach Innen ist. Es gibt Menschen, wie z.B. Mutter Theresa, die bekommen niemals Burnout, ja vielleicht sogar noch Kraft nach 14 Stunden Tätigkeit. Weshalb? „Weil es nicht von der Außensituation abhängt, sondern ob sie innerlich ‚Ja‘ sagen können. Hej, das ist mein Lied in meinem Leben. Zu dem sage ich ‚Ja‘. Da kann ich mich engagieren.“

Die zwei Ausdrücke, die er dafür gebraucht, gefallen mir sehr gut: „co-evolutionärer Kraftschöpfungsprozess“, „interaktioneller Erneuerungsprozess“. Durch das Engagement komme ein Rückkopplungsprozess nach Außen in Gang, der Kraft gibt.

 

In einem Interview spricht Gunther Schmidt davon, dass gerade Menschen, die ihre Arbeit gut und verantwortungsvoll erledigen wollen, burnoutgefährdet sind. Da stecke eine wichtige Werthaltung dahinter, die allerdings außer Balance geraten sei. Schmidt sieht Burnout als Kompetenz. Hier gelte es anzusetzen. Welch toller Ansatz im Vergleich zu der Auffassung, Burnout sei ein Schwäche oder ein Versagen!

 

Quellen:

Dr. Gunther Schmidt über Burnout-Kompetenz, YouTube

„Hypnose wird falsch verstanden.“ Gunther Schmidt im Interview. In: managerSeminare Februar 2011, S. 54 - 59

Schlagwörter: Burnout, Kompetenz

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