Führung - Leadership

28.08.2012, Regina Schlager

Wie fühlen Sie sich, wenn von Führung gesprochen wird? Welche Bilder steigen in Ihnen hoch? Sind Sie selbst eine Führungskraft, eine Führungspersönlichkeit, nehmen Sie eine Führungsrolle ein? Führen Sie andere? Wo führen Sie sie hin? Was meinen wir eigentlich, wenn wir von Führung sprechen?

Ich wollte nie „Karriere machen“, weil das für mich verknüpft war mit Konkurrenzkampf, Ellbogentechnik, Isolation und Selbstverleugnung. Lange habe ich Führungsrollen verbunden mit Hierarchie, Machtspielen und Top-Down-Entscheidungen. Mein Eindruck war zudem, dass man als Frau besonders hart auftreten muss, will man in Führungspositionen vordringen. Man sollte immer etwas zu sagen wissen, möglichst bevor jemand anderer Luft holen und etwas äußern kann. Vor allem aber sollte man sich davor hüten „emotional zu werden".

So sagte ich mir: „Ich habe nicht das richtige Durchsetzungsvermögen“, „Das liegt mir nicht“ und letztlich „Ich will das gar nicht“. Das Bild, als Frau die Karriereleiter hochzusteigen, um letztendlich „die gläserne Decke“ zu durchstoßen, hat mich nie angesprochen. Warum sollte ich dorthin, wenn mich dort doch nur die Kälte eines ungelüfteten Glaspalastes erwartet?

Heute habe ich ein alternatives Bild von Führung, das für mich sehr inspirierend wirkt. Ich bezeichne diese Art von Führung derzeit für mich als Leadership, weil es aus meiner Sicht dafür keinen adäquaten deutschen Ausdruck gibt.

Leadership bedeutet für mich, an der Schwelle zu etwas Neuem zu stehen und den Mut zu haben, diese Schwelle auch zu überschreiten. Sich verantwortlich zu fühlen und einzusetzen für positive Veränderungen in der Welt. Sich einzulassen auf das Ungewisse; Unsicherheit zuzulassen und sich seinen Ängsten zu stellen; andere zu begeistern. In Leadership vereinen sich männliche und weibliche Charakteristiken (wobei ich das nicht biologisch verstehe, wir tragen alle beides in uns).

Leadership ist meinem Verständnis nach von innen heraus motiviert, von unseren Quellen her. Ausgangspunkt ist, uns auf den Weg zu machen zu uns selbst, uns kennenzulernen, herauszufinden, wer wir sind und wozu wir hier auf der Welt sind. Uns lieben zu lernen.

Nun bin ich mir allerdings nicht mehr sicher, ob es richtig ist, ein englisches Wort herzunehmen, weil das deutsche für einen vorbelastet ist. Irgendwann wird für die Bedeutungsvielfalt, die einen Begriff ausmacht, ein Wort gewählt. Es ist eine Verdichtung, eine Vereinfachung, eine Konvention. Im Laufe der Zeit geschehen gesellschaftliche Veränderungen und das, was wir mit dem Ausdruck verbinden, passt irgendwie nicht mehr so recht. Wir verwenden ein Wort, verständigen uns aber nicht darüber, was wir darunter verstehen. Wir tun aber so, als wäre es für uns alle ganz eindeutig. Das führt zu Missverständnissen.

Sollte man nicht viel eher das gängige Wort in der eigenen Sprache weiterverwenden, aber mit neuem Leben füllen, ihm einen neuen Bedeutungszusammenhang geben? In einem gemeinsamen Akt, wo man zusammen die mit dem Begriff verbundenen Glaubenssätze und Werthaltungen in den Blick nimmt und sich anschaut, ob sich zwischenzeitig nicht bereits etwas verändert hat – oder aber verändern sollte? Oder ist es vielleicht manchmal Zeit, sich von Worten zu verabschieden und neue zu verwenden? Aber muss es dann unbedingt D-Englisch sein? Was meinen Sie dazu?

Schlagwörter: Fuehrung, Leadership

2 Kommentare

Claudia Beil at 30.08.2012:

Liebe Regina. DAs ist genau der Drehpunkt. Nach einigen Jahren in Kaderstellen und mit nicht immer erfreulichen Erfahrungen gibt mir dein Artikel die Antwort. Leadership gibt uns die Möglichkeit mit unseren persönlichen Fähigkeiten zu erreichen was wir unter dem Begriff Führung nicht können. Es sei denn, mit dieser Erkenntnis haben wir den Mut, unseren eigenen Stil von Frauenseite her anzugehen. Wir blockieren uns selber durch den Gedanken männliche Attribute aufsetzten zu müssen um führen zu können. NEIN. Aber wir müssen auch nicht mit übertriebener Weiblichkeit aggieren. Setzten wir unsere sozialen,wirtschaflichen, wissenschaftlichen, handwerklichen, menschlichen Fähigkeiten ein und haben den Mut zu unserem eigenen Führungsstil. Herzlicher Gruss Claudia

Regina Schlager at 30.08.2012:

Liebe Claudia, das finde ich wunderbar: "Setzen wir unsere sozialen,wirtschaflichen, wissenschaftlichen, handwerklichen, menschlichen Fähigkeiten ein und haben den Mut zu unserem eigenen Führungsstil." Danke und herzlicher Gruss, Regina

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