Achtsam Arbeiten

16.09.2013, Regina Schlager

In meinem neuen, kostenlos downloadbaren PDF „Erfüllter leben – Sinnstiftender Arbeiten: Was ist mir wirklich wichtig?“ beschreibe ich den achtsamen Umgang mit sich selbst als grundlegend auf dem Weg zu einer Tätigkeit, in die wir einbringen können, was wir Einzigartiges zu geben haben. Die Beziehung zu uns selbst ist meines Erachtens zutiefst verknüpft mit unserer Beziehung zur Arbeit. Am 1. September habe ich in Zürich das Seminar „Achtsam Arbeiten“ bei Kai Romhardt vom Netzwerk Achtsame Wirtschaft besucht.

Leichtigkeit und Tiefe

Es ging an diesem Tag darum, mit tiefen Fragen in Berührung zu kommen:

  • Was treibt mich bei der Arbeit wirklich an?
  • Was bedeutet Erfolg für mich?
  • Wann stiftet Arbeit Sinn?
  • Was will ich mit meiner Arbeit in die Welt tragen?

Diese Beschäftigung erfolgte in einer Haltung der Leichtigkeit. „Leichtigkeit und Tiefe“ – das ergab sofort Resonanz bei mir.

Ich habe dann auch bei der Selbstreflexion, die wir am Nachmittag gemacht haben, bemerkt, dass mich das Thema Leichtigkeit beschäftigt. Kann ich nun in der Selbständigkeit, so wie ich mir das gewünscht hatte, meine Arbeit selbstbestimmt gestalten, so wirken sich doch noch alte Haltungen und Muster aus. Mir wurde bewusst, dass ich den Tag oft so sehr verplane, dass dann kaum Raum bleibt für Spontanes. Und obwohl ich weiß, wie wichtig Pausen für mich sind, so verwende ich sie sehr häufig dafür, eine Aktivität hineinzupacken: Die Zeitung durchblättern, schnell mal etwas auf einer Website recherchieren, die Blumen gießen...

Die Qualität der Aufmerksamkeit und des Tuns

Das Seminar hat mich dazu angeregt, wieder mehr darauf zu achten, wie ich die Dinge tue. Mit welcher Qualität tippe ich auf meiner Tastatur? Hämmere ich in die Tasten, sind meine Schultern verspannt oder fühlt sich das Schreiben leicht und fließend an (dann erinnert es mich an Klavierspielen)? Eine schöne Übung dafür ist, sich eine Wegstrecke zu nehmen, die man täglich zurücklegt – das kann im Büro z.B. der Gang zur Toilette sein - und dabei in jeden Schritt eine gewisse Qualität zu legen, beispielsweise „Vertrauen“.   

Stoppsignale

Eine schöne Erfahrung war, in der Gruppe still zu sein. Immer wieder hat uns Kai Romhardts Glocke daran erinnert, kurz innezuhalten. Eine gewisse Zeitspanne haben wir nicht gesprochen, auch nicht beim Essen. Das Essen war eine Essmeditation: jeden Bissen bewusst ausführen mit der Emfpehlung 30 bis 60 mal zu kauen. Kai Romhardt hat von seinen Erfahrungen mit Unternehmen berichtet: Momente der Stille verbinden die Gruppe. So kann es bei einer Besprechung für die Arbeitsatmosphäre sehr förderlich sein, wenn Zeichen eingebaut werden, die zu einem kurzen Moment der Stille einladen.

Solche Signale, die ans Stoppen erinnern, können auch beim alleine arbeiten hilfreich sein. Kai Romhardt hat von einem Mann erzählt, der nach jedem E-Mail eine kurze Pause einlegt, in der er sich auf seinen Atem konzentriert, dann erst drückt er auf „Send“. Bei so einem „E-Mail-Atempäuschen“ wird auch möglich, kurz hineinzuhorchen, wie es einem gerade geht: Nehme ich Verspannung wahr, welches Gefühl färbt gerade meine Stimmung, bin ich in meinen Gedanken schon bei den nächsten Punkten meiner To-Do-Liste für den heutigen Tag?

Achtsam und Sinnvoll Wirtschaften

Unser individuelles Verhältnis zur Arbeit ist eingebettet in größere Zusammenhänge. Was „Arbeit“ für uns bedeutet, ist geprägt von Vorstellungen, auf die wir in unserer Gesellschaft stoßen. So wird unter Arbeit gemeinhin meist Erwerbsarbeit verstanden, also Tätigkeiten, mit denen wir unseren Lebensunterhalt verdienen. Dann gibt es tiefsitzende Glaubenssätze wie „Zuerst die Arbeit, dann das Spiel“, Arbeit ist etwas, das irgendwie schwer und drückend ist und für das wir "entschädigt" werden. Wir bewegen uns in Strukturen, Abläufen und Regelsystemen, die wir oft selbstverständlich nehmen, als wären sie Naturgesetze  („Es gibt keine Alternative“) und daher nicht hinterfragen.

Beim Seminar habe ich wiederum gespürt, wie wichtig mir diese Zusammenhänge sind. „Sinnvolle Arbeit“ ist nicht allein ein individuelles „Problem“. Dass die Sehnsucht danach bei so vielen Menschen aufbricht, darin sehe ich ein Symptom unserer Zeit, in der die Denkhaltung des „immer mehr“ und „größer ist besser“ an seine Grenzen stößt.

 

Link:

Netzwerk Achtsame Wirtschaft

Schlagwörter: Selbstmanagement, Achtsamkeit, Sinnvolle-arbeit

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