"Mit 40 entscheidet man, wie man alt werden möchte"

18.11.2014, Regina Schlager

Vor etwa zehn Jahren las ich in einem Interview: “Mit 40, 45 entscheidet man, wie man alt werden möchte.” Das hat mich damals, mit Mitte 30, sehr beeindruckt. Am Wochenende habe ich mich mit einem Mann unterhalten, der mir von seinem Leben in der Alterspension erzählt hat. Er ist aktiv: führt eine lebendige Partnerschaft, gibt seiner Kreativität in der Musik Ausdruck, ist in freundschaftlicher Beziehung mit vielen Menschen. Und er meinte: “Das ist nur möglich, weil ich das bereits gepflegt habe, während ich noch voll im Berufsleben gestanden bin.”

Wenn ich in Pension bin, dann...

“Wenn ich in Pension bin, dann mache ich endlich das, was mir Freude macht und wozu ich jetzt keine Zeit habe”:

  • dann lese ich endlich alle Bücher, die sich auf meinem Nachttisch stapeln,
  • dann nehme ich mir mehr Zeit für mich selbst,
  • dann mache ich regelmäßig Gymnastik,
  • dann verbringe ich mehr Zeit mit meinem Partner,
  • dann unternehme ich wieder etwas mit meinen Freundinnen und Freunden,
  • dann beginne ich wieder mit dem Klavier spielen,
  • dann unterstütze ich andere Menschen durch freiwillige Tätigkeit
  • ……

Ja, wenn! Wenn es dann soweit ist, fühlen wir uns vielleicht zu müde dazu. Oder wir spüren gar kein wirkliches Interesse. Es sind dann womöglich gar keine Menschen in unserem Leben, mit denen wir in freundschaftlichem Kontakt sind.

Eine aktive, kreative Haltung üben

Woher soll das alles plötzlich kommen, wenn wir uns nicht vorher in einer aktiven, kreativen Haltung üben? Wenn wir nicht im Austausch mit anderen Menschen sind? Wenn wir unsere Bedürfnisse nicht hören oder nicht darauf antworten? Wie soll das wie auf Knopfdruck zu einem bestimmten Zeitpunkt möglich sein?

Ich weiß: Da sind die sozialen und ökonomischen Bedingungen, die es uns nicht unbedingt einfach machen. Das will ich gar nicht verleugnen. Wir befinden uns in einem Klima, in dem  Nützlichkeit und Effizienz an erster Stelle stehen. Wichtig ist, permanent etwas zu leisten. Möglichst besser zu sein als andere. Viel zu konsumieren und immer mehr zu besitzen. Da ist jeder Einzelne gefragt, wie er damit umgeht. Aber auch wir alle gemeinsam als Gesellschaft.

Wir werden, zumindest in Europa, immer älter. Dass die Lebenserwartung steigt, wird meist eher in negativen und Angst machenden Schlagzeilen transportiert: Wer soll das finanzieren?; körperliche Gebrechlichkeit, Einsamkeit und Altersdemenz.

Wir werden immer älter. Könnte das nicht auch eine große Chance sein? Was können wir jetzt dafür tun? Was denken Sie?

 

Schlagwörter: Selbstmanagement, Lebenskunst

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