Frauke Ehlers: Mentoring bei den BücherFrauen (Interview)

25.11.2014, Regina Schlager

Im Juli habe ich hier auf meinem Blog das Buch „Systemisches Mentoring“ von Bernd Schmid und Nele Haasen vorgestellt. Im Zuge meiner Recherchen zu Mentoring bin ich auf Frauke Ehlers und die Stuttgarter BücherFrauen gestoßen. Frau Ehlers hat mir in einem Interview Einblick in das Mentoringprogramm gegeben.

Regina Schlager (RS): Willkommen bei "Frauen unterwegs", Frauke Ehlers. Wann und warum wurde denn bei den BücherFrauen ein Mentoringprogramm ins Leben gerufen?

Frauke Ehlers (FE): Mentoring-Programme bei den BücherFrauen gibt es bei dem überregionalen Netzwerk seit 1998. Damals startete ein Pilotprojekt bei den BücherFrauen München mit dem Ziel, das Konzept auch in anderen Städtegruppen anwenden zu können. Nele Haasen war bei diesem Pilot mit von der Partie.

Eine der Motivationen war, den Erfahrungsaustausch unter den BücherFrauen in einem institutionalisierten Rahmen auszubauen, um mehr Wirkungskraft zu erzielen.

2002 - 2003 fand dann die erste BücherFrauen Mentoring-Runde in Stuttgart statt, bei der ich als Organisatorin mit beteiligt war. Und auch zu der Auftaktveranstaltung zu dieser Runde war Nele Haasen mit dabei. Sie hat mit den Mentorinnen beim Auftaktworkshop die Grundlagen des Mentoring erarbeitet.

Mittlerweile gibt es regelmäßige Mentoring-Runden in den großen BücherFrauen Städten, neben München und Stuttgart, in Berlin, in Hamburg, in Köln.

RS:  Wie sieht das konkret aus: Welche Frauen werden als Mentees unterstützt, und wer sind die Mentorinnen?

FE: Es gibt eine Bewerbungsphase für die Mentees, die die einzelnen Städtegruppen über diverse Kanle streuen.

Mit der Interessenskundgebung bekommen die Interessierten einen Fragebogen, in dem ihre Motivation und ihre Ziele für ein Mentoring abgefragt werden - auch Fragen zum eigenen Werdegang. Im Fragebogen werden zudem Wünsche nach dem Profil der potentiellen Mentorin abgefragt.

Damit  beginnt dann die Hauptarbeit des Organisationsteams, das sogenannte Matching: Aus dem Kreis der BücherFrauen bzw. auch darüber hinaus eine passende Mentorin ausfindig zu machen, deren Bereitschaft abzufragen und vielleicht auch erst mal Überzeugungsarbeit zu Mentoring zu leisten.

Ein schönes kurzes und neueres Profil der BücherFrauen Arbeit gibt es auch auf dem börsenblatt.net.

RS: Schmid und Haasen weisen darauf hin, dass ein gemeinsamer Rahmen wichtig ist, wenn man ein Mentoringprogramm in einer Organisation einführt und betreut. Hat sich so ein Rahmen auch bei Ihnen bewährt?

FE: Die einzelnen Städtegruppen profitieren von der Arbeit der anderen Städtegruppen oder früherer Mentoring-Jahrgänge. Es gibt auch gemeinsame Veranstaltungen: die Auftaktveranstaltung, eine Halbzeitveranstaltung und die Schlussveranstaltung.

Zum zehnjährigen Jubiläum haben wir einen überregionalen Mentoringkongress in Stuttgart durchgeführt. Hier ein bildlicher Eindruck.

RS:  Was nehmen Mentees und Mentorinnen mit? Was erfahren sie als Chancen und Nutzen? Welche Rückmeldungen bekommen Sie da?

FE: Die letzte Mentoring-Runde in Berlin stand unter der Frage: „Was habe ich bekommen?“. Aus Sicht der Mentees wurden viele Aspekte genannt: Kommunikation (Offenheit, risikofreie Kommunikation), Wissen (Einblicke in die Branche, Marktlage, Hintergrundwissen) sowie persönliche Entwicklung (Motivation, Freiheit vom Perfektionsanspruch, Hilfe beim Setzen von Prioritäten, mehr Selbstbewusstsein in Hinblick auf die eigenen Kompetenzen)  sowie Vernetzung (persönliche Kontakte, Freude bei der gemeinsamen Arbeit, gemeinsames Arbeiten an konkreten Projekten)

Die Mentorinnen nannten

  • ein erneuertes Problembewusstsein für Startschwierigkeiten
  • Reflexion der eigene Arbeitsweise und damit auch ein erneuertes Bewusstsein für die eigenen Kompetenzen, die im Alltag so selbstverständlich scheinen
  • die neuerliche Erfahrung, wie wertvoll und wichtig es sein kann, Erfahrungen  weiterzugeben / aus Erfahrung zu sprechen
  • die Freude, eine Nachwuchskollegin zu betreuen und sie in ihrer Entwicklung zu unterstützen

(Siehe ausführliche Zusammenfassung der Rückmeldungen.)

RS: Werden Sie auch auf Dinge hingewiesen, die nicht so gut laufen? Gibt es da auch Erfahrungswerte im Sinne von: Das wollen wir anders organisieren und noch besser machen?

FE: Hier gibt es aus Berlin folgende Rückmeldung: Die Mehrzahl der Teilnehmerinnen war mit dem Programm und der Organisation zufrieden. Vereinzelt werden mehr oder weniger Treffen gewünscht, aber die Mehrheit fand die Anzahl „genau richtig“.

RS:  Haben Sie den Eindruck, dass gerade Frauen bereit sind, sich in dieser Weise gegenseitig zu unterstützen? Meine eigene Beobachtung und Erfahrung ist, dass Frauen sich in zahlreichen Netzwerken und Gruppen zusammentun, um voneinander zu lernen und sich miteinander auszutauschen. Ich finde, das ist eine sehr schöne Entwicklung. Weg von einer Haltung des „Ich muss alles alleine tun und schaffen“ hin zu „gemeinsam sind wir stark“.

FE: Ich glaube, Frauen müssen viel mehr wie die Männer das Netzwerken lernen. Ein etwas formalisiertes Programm hilft ihnen dabei, das auch umzusetzen. Es muss erst mal bewusst gemacht werden, dass beruflicher Erfolg nur 10%  durch Leistung, sehr viel mehr aber durch Kontakte und Netzwerken bewirkt wird. Da hat sich in den letzten Jahren zwar viel getan. Trotzdem gehen Frauen anderes damit um. Auch definieren sie meist Erfolg anders.

Ein Mentoringprogramm hilft auch, eigene Erfolge erst mal als solche wahrzunehmen. Und das Gemeinsame im vermeintlich Eigenen zu erkennen, unterstützt das Selbstbewusstsein ungemein.  Neben der Lernbeziehung zur Mentorin gibt es meist auch noch Stammtische zwischen den Mentees und den Mentorinnen. In diesem Rahmen erzählt man dann auch mal was. Und wenn dann die Reaktionen kommen: „Das habe ich auch schon so erlebt“ - dann kann man von der anderen lernen oder aber auch gemeinsam überlegen, wie ein solches Problem gelöst werden könnte.

RS:  Angenommen, eine Frau möchte ein Mentoringprogramm in einem Frauennetzwerk starten. Haben Sie einen Tipp, mit welchem Schritt sie beginnen könnte?

FE: Ich würde erst Mal ein Organsiationsteam rekrutieren, das möglichst schon selbst Erfahrungen mit Mentoring gesammelt hat. Es war im Rückblick hilfreich, mit einem Pilotprojekt zu starten. Aus einem Pflänzchen sind viele gewachsen.

RS: Da ist ja auch noch die Frage der Finanzierung. Wenn das nicht im Rahmen eines Unternehmens stattfindet, wo das Unternehmen die Kosten trägt, wie lässt sich das gestalten? Wie handhaben Sie das bei den BücherFrauen?

FE: Da wir ehrenamtlich tätig sind, ist der Preis für die Teilnehmerinnen einer, der die Unkosten deckt, die für die Moderatorinnen, Miete der Veranstaltungsräume, Administrationskosten etc. anfallen. Außerdem sind die Mentees Mitglied der BücherFrauen. Auch die Mentorinnen arbeiten ehrenamtlich.

RS: Gibt es noch etwas, das Sie unseren Leserinnen mitteilen wollen?

FS: Ich glaube, dass sich eine Teilnahme an einem Mentoring Projekt immer bezahlt macht, egal in welcher Rolle, und möchte alle Interessierten ermutigen, diese Erfahrung mal zu machen.

RS: Frauke Ehlers, ich bedanke mich ganz herzlich für das Gespräch.

 

(Foto: Eva Hehemann)

XING-Profil Frauke Ehlers

Frauke Ehlers ist seit rund 20 Jahren bei den BücherFrauen aktiv. Von November 2010 bis November 2012 war sie zuletzt eine der drei Beirätinnen der BücherFrauen. Seit 2009 betreut sie die Social Media Aktivitäten des Vereins. Das Branchen-Netzwerk BücherFrauen e.V. wurde 1990 in Deutschland nach dem Vorbild der englischen Women in Publishing (WiP) gegründet. Mittlerweile bündelt der Verein die Interessen von rund 900 deutschen Verlagsfrauen, Buchhändlerinnen, Übersetzerinnen, Agentinnen und allen anderen Frauen, die rund ums Buch tätig sind.

Links:
BücherFrauen, Mentoring Stuttgarter Projektteam
Profil der BücherFrauen auf dem börsenblatt.net
Überregionaler Mentoringkongress in Stuttgart

 

Schlagwörter: Fuehrung, Leadership, Wachstum, Selbstmanagement, Frauennetzwerk, Kompetenz, Interview, Lernen

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