Catharina Bruns: Work is not a job (Rezension)

06.05.2014, Regina Schlager

Bei vielen Menschen macht sich Ernüchterung und Erschöpfung breit, wenn es um die eigene Arbeit geht. Da wird oft schon in jungen Jahren die Pensionierung herbeigesehnt. Die Strukturen führen zu einem Gefühl der Fremdbestimmung. Catharina Bruns empfiehlt, statt vom „Ausstieg“ zu träumen, den „Einstieg“ zu wagen. Damit meint sie: Gehen wir an die Arbeit unseres Lebens, übernehmen wir Verantwortung und gestalten wir unsere Arbeit selbst!

„Die eigene Arbeit ist eine Investition in die eigene Zukunft, die persönliche Entwicklung und vor allem in das Leben, das man führen möchte.“ (S. 79)

 

Die Autorin

Catharina Bruns kündigte ihre Arbeitsstelle in einem Konzern, um sich einen selbstbestimmten Arbeits- und Lebensstil zu schaffen. Nun ist sie Unternehmerin und lebt von der Umsetzung eigener Ideen. Sie engagiert sich für mehr Unternehmertum bei Frauen. Vor ihrer ersten Firmengründung schrieb sie das workisnotajob Manifest, um sich klar zu werden, welche Bedeutung Arbeit für sie hat.

 

Ziele und Zielgruppe

„Es ist nicht naiv zu glauben, man könne tun, was man liebt. Es ist naiv zu glauben, es würde uns retten, es nicht zu tun.“ (S. 14)

Die Autorin möchte Menschen ermutigen, eine positive Arbeitswelt zu prägen. Das Buch richtet sich an alle, die bereit sind, traditionelle Vorstellungen von Arbeit und Karriere zu überdenken.

 

Aufbau

Das Buch gliedert sich in drei Teile. Der Aufbau orientiert sich am workisnotajob Manifest, das jeden Abschnitt wie eine Leitmelodie begleitet.

 

Teil 1 - Prioriäten setzen: Arbeit neu denken

Job – Karriere – Berufung

Catharina Bruns unterscheidet drei Sichtweisen von Arbeit:

1) Wenn wir Arbeit als Job verstehen, dann betrachten wir sie als notwendiges Übel, um Geld zu verdienen. Manche fühlen sich in ihrem Job unterfordert, andere stehen ihm gleichgültig gegenüber.

2) Menschen, die Arbeit als Karriere sehen, verbinden damit Erfolg und Status.

3) Arbeit als Berufung meint, sie als individuellen Beitrag in der Welt aufzufassen. Sie ist erfüllend, wenn sie in Einklang steht mit unseren Begabungen, Interessen und Wünschen. Catharina Bruns macht deutlich, dass wir das in jeder Art der Beschäftigung finden können: in der Freizeit, als Angestellte oder als Selbstständige.

Ein neues Verständnis von Arbeit

„Eine positive Definition von Arbeit zu leben, die den persönlichen Sinn und den gesellschaftlichen Wert der Arbeit in den Vordergrund stellt, ist extrem wichtig.“ (S. 34)

Der Autorin geht es um eine neue Haltung zur Arbeit. Sie zählt dazu nicht nur Erwerbsarbeit. Es gilt auch andere Formen der Arbeit, wie z.B. Familienarbeit aufzuwerten. Und das heißt auch, gesellschaftliche Auffassungen zu hinterfragen wie etwa: Sinn in der Arbeit zu finden sei doch bloß ein Luxusproblem.

Kann denn wirklich jeder tun, was er liebt? Dieses Argument ist oft zu hören. Denn wo führt das hin? Wer macht dann das, was der Fragesteller als unangenehm oder minderwertig empfindet wie beispielsweise die Toiletten putzen? Da kann doch unsere Wirtschaft nicht mehr funktionieren.

Catharina Bruns ist sehr deutlich: Es liegt an jedem Einzelnen, hier umzudenken. Warum gehen wir selbstverständlich davon aus, das jemand, der den Müll wegbringt, seine Arbeit verabscheut? Und jeder und jede ist in der Verantwortung mitzuhelfen, die Zustände herzustellen, die er oder sie selber gerne vorfinden möchte: gerechte Bezahlung und faire Arbeitsbedingungen.

„Tue, was du liebst“ ist für viele Menschen auch aus anderem Grund nicht nachvollziehbar. „Wie soll ich davon leben können?“ kommt als Frage. Die Autorin schlägt vor, eher vom Ratschlag „Liebe, was du tust“ auszugehen.   

Catharina Bruns entscheidet sich eindeutig für die Sichtweise der Berufung. Seiner Arbeit Bedeutung zu geben ist für sie nicht zu trennen vom restlichen Leben. Was wollen wir durch unsere Arbeit in unserem Leben verwirklichen? Diese Frage erweitert den Fokus. Arbeit wird so zu einem wesentlichem Bestandteil des eigenen Lebenswerks.

 

Teil 2 – Revolution beginnt im Herzen

Abschied vom Traumjob

„Erfüllende Arbeit findet man nicht einfach irgendwo. Man muss sie sich selbst gestalten. Die Vorstellung des einen Traumjobs entspricht den Realitäten der alten Arbeitswelt, in der sich aus der Masse der langweiligen Jobs auch manchmal einige interessante aussieben lassen.“ (S. 139)

Dieser Teil behandelt die Frage, wie wir der Monotonie entkommen. Die Antwort der Autorin: Indem wir uns aktiv Fragen stellen nach dem, was wir lieben und was unsere Leidenschaften sind. Was habe ich als Kind gerne gemacht? Und was bedeutet Sicherheit für mich?

Einfach anfangen und aktiv werden

Die Autorin plädiert dafür, einfach irgendwo anzufangen, ohne den Anspruch auf Perfektion. Und aktiv an potentielle Arbeitgeber und Co-Gründer heranzutreten, ohne passiv auf den passenden Job zu warten.

Seine Vision formulieren

Auch die Formulierung der eigenen Vision findet Catharina Bruns ganz entscheidet, sie nennt das „die schönste Arbeit, die du dir vornehmen kannst.“ (S. 143)

 

Teil 3 – Work is not a job. Die einen nennen es Arbeit. Wir nennen es Leben

 „Die Berufung zeigt sich nicht in einer bestimmten Tätigkeit. Sie kommt zur Geltung, wann man sein Warum lebt, sein Talent nutzt und seine Vision verfolgt. Sie hat nicht unbedingt etwas mit einem klassischen Berufsbild zu tun, sondern kann sich in allen möglichen Bereichen entfalten.“ (S. 223)

Berufung: Sein Warum leben

Im dritten Teil geht Catharina Bruns darauf ein, wie wir auf dem Weg in die Selbständigkeit ins Handeln kommen können. Grundlage ist, sich selbst gut kennenzulernen mit seinen Talenten, aber auch den eigenen Haltungen und Mustern. So ist es aus ihrer Sicht z.B. wichtig „Nein“ sagen zu lernen zu äußeren Erwartungen, der Angst vor dem Versagen zu begegnen und Vertrauen zu entwickeln. Und sich zu fragen, welches Produkt oder welche Dienstleistung einem fehlt und welche Lösung man selbst dafür findet.

 

Fazit

„Den Anspruch zu haben, nach persönlicher Präferenz zu arbeiten, ist unser gutes Recht. Ihn Wirklichkeit werden zu lassen, liegt bei jedem selbst.“ (S. 85) Die Autorin behauptet nicht, es sei einfach. Sich entwickeln zu wollen, bedeutet sich hinauszuwagen und seine Komfortzone zu verlassen. Das sagt sie deutlich.

Mir gefällt die Haltung der Autorin: Sie erzählt aus ihrer Erfahrung heraus, erhebt aber nicht den Anspruch, den Leserinnen und Lesern sagen zu können, was für sie richtig ist. „Es geht ums Selbstdenken und Selbstmachen.“ (S. 13) Ihre Ideen aber will sie teilen. Mancher Leser wünscht sich im dritten Teil vielleicht trotzdem konkretere Anleitungen oder Übungen.

Sehr ansprechend finde ich die Zitate am Anfang jedes Kapitels. Catharina Bruns hat das Buch selbst gestaltet; ihre Illustrationen inspirieren dazu, neue Bickwinkel einzunehmen – und sie beweist dadurch ihre Kreativität.

Catharina Bruns regt eine Auseinandersetzung über unseren Begriff von Arbeit an, das finde ich sehr wichtig. Und ich wünsche mir, dass sie auf breiter Ebene stattfindet, vielfältig und lebendig. Ich möchte Verantwortung übernehmen und meinen Teil dazu beitragen!

 

Angaben zum Buch

 

Catharina Bruns: Work is not a job. Frankfurt/New York: Campus Verlag 2013

Das Buch gibt es in einer grünen und einer pinken Ausgabe, sowohl in Printform als auch als E-Book.

 

Weiterführende Links

Infos zum Buch beim Campus Verlag

Website workisnotajob

Superwork – Interviewreihe über Träumer, Gründer und Selbermacher

Mathias Morgenthaler: Interview mit Catharina Bruns (Plattform Beruf+Berufung)

 

 

 

Schlagwörter: Buchbesprechungen, Selbstmanagement, Potential, Kreativitaet, Vision, Sinnvolle-arbeit, Social-entrepreneurship, Berufung

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