Leben – Arbeit – Sinn

11.07.2014, Regina Schlager

Nächste Woche, am 17. Juli 2014, bin ich im OpenMindSalon in Zürich eingeladen. Heinz Robert, der Projektleiter des OpenMindCenters, wird ein Gespräch mit mir über „Leben – Arbeit – Sinn“ führen. Anschließend wird es ein World Café geben zum Thema, wie wir sinnvolle Arbeit gestalten können.

Arbeit ist all das, was ich in Bezug auf mich und mein Leben leiste, um ein schönes und bejahenswertes Leben führen zu können. (Wilhelm Schmid)

Ich finde Begriffsklärung sehr wichtig. Mir begegnet häufig in Situationen, wo jemand den Anlauf nimmt: „Klären wir doch, worüber wir hier überhaupt reden“ die Aussage: „Ah bitte, jetzt wirds philosophisch“, verbunden mit einem Seufzen „Das sind ja unnötige Diskussionen. Das nimmt nur Zeit in Anspruch.“

Begriffe schaffen Wirklichkeit. Begriffe sind etwas von uns Gemachtes. Das heißt, wir können Begriffe auch ändern. Nehmen wir „Arbeit“. Das ist zunächst nur ein Wort. In diesem Wort stecken allerdings viele Bedeutungen. Diese sind einerseits sehr individuell, jeder versteht nicht ganz das gleiche darunter wie der andere. Da spielen Erfahrungen mit, die man gemacht hat. Da sind auch kulturelle Prägungen im Spiel: Wie man die Welt sieht, welche Auffassungen man hat und welche Werte. Und außerdem ist jeder Begriff gesellschaftlich geprägt. Zwischen beidem findet eine Wechselwirkung statt.

Der Begriff der Arbeit

Was klingt beim Begriff „Arbeit“ so an für Sie? Ein Begriff ist nichts rein Kognitives. Er ist verbunden mit Gefühlen, mit all dem, was wir dazu empfinden und damit verbinden. Ich beobachte, dass bei „Arbeit“ sehr viel mitschwingt von:

  • Das ist irgendwie mühselig“
  • Arbeit ist etwas anderes als Freizeit“
  • Arbeit ist ein notwendiges Übel, um Geld zu verdienen“
  • Ich arbeite bis zur Pensionierung und dann lasse ich es mir gut gehen“

„Arbeit“ hat für viele zu tun mit Mühsal und Unfreiheit. Arbeit ist der Gegensatz zum wirklichen Leben, welches außerhalb und nach der Arbeit stattfindet.

Aber möglich wäre auch:

  • Arbeit ist, womit ich meine Einzigartigkeit ausdrücken kann
  • Mit meiner Arbeit kann ich anderen Menschen etwas geben“
  • „Mit Arbeit kann ich etwas Positives bewirken“
  • Arbeit ist Ausdruck meiner Lebenskraft

Lebensarbeit

Ich verwende den Begriff „Lebensarbeit“. Hier bin ich inspiriert vom Philosophen Wilhelm Schmid. Er schlägt vor, den Arbeitsbegriff weiterhin zu verwenden, solange wir keinen besseren gefunden haben (obwohl er für manche eher negativ behaftet ist), und ihn auszuweiten. Schmid definiert den Arbeitsbegriff neu:

Arbeit ist all das, was ich in Bezug auf mich und mein Leben leiste, um ein schönes und bejahenswertes Leben führen zu können.“

Arbeit ist nicht bloß Erwerbsarbeit, mit der wir Geld verdienen, um davon leben zu können. Unsere freundschaftlichen Beziehungen pflegen, uns um unsere alternden Eltern kümmern, den Kindern ein Daheim schaffen und den Alltag organisieren, uns in einem Nachbarschaftsverein engagieren – all das können wir im Rahmen der Lebensarbeit ebenfalls als Arbeit bezeichnen.

Grundlegend aber ist die Arbeit an uns selbst. Für uns selbst Sorge tragen, uns kennenlernen mit all dem was uns ausmacht, das Maß finden zwischen Anspannung und Ruhe, das kann dazu gehören. Und auch uns Raum für Muße und kreativen Ausdruck zuzugestehen.

Arbeit wird so zum Akt der Gestaltung unseres Lebens.

Sinn

Wann sagen Sie: „Ah, das macht Sinn für mich“? Mir geht es so, wenn irgendwo ein Zusammenhang für mich erkennbar oder spürbar ist. Ich lese ein Fachbuch. Da sind zunächst Bruchstücke. Ich kann sie nicht wirklich einordnen. Dann geht mir auf, dass ich darüber ja bereits etwas erfahren habe. Ich finde Anknüpfungen. Ich kenne das selbst aus meinem Leben. Da ist dann plötzlich so etwas wie ein „Aha!“ Jetzt macht das Gelesene Sinn für mich.

Das ist ja das Bedeutende daran, dass wir uns aus unserem Leben erzählen. Wenn wir die Geschichte über uns und unser Leben erzählen, dann knüpfen wir Fäden, wir deuten gewisse Ereignisse. Eine Geschichte stellt Zusammenhänge her. Schon allein, welche Situationen wir herausnehmen und als erwähnenswert empfinden, hat etwas damit zu tun. So deuten wir unser Leben.

Sinnvolle Arbeit

Was hat das, womit Sie Ihre Zeit verbringen, mit Ihnen selbst zu tun? Besteht da ein Zusammenhang? Wie beziehen Sie sich auf Ihre Tätigkeiten? Stehen Sie ihnen teilnahmslos gegenüber oder ist da eine Verbindung spürbar? Sind Sie mit innerer Beteiligung am Werk?

Und kommen wir nun doch auch zu der Arbeit, mit der wir unser Geld verdienen. Wir könnten uns fragen:

  • „Wozu arbeite ich?“
  • „Sehe ich einen Bezug zu meinen Bedürfnissen und Werten?“
  • „Arbeite ich auf ein Ziel zu?"
  • "Möchte ich vielleicht etwas zum größeren Ganzen beitragen?“

Als sinnvoll empfundene Arbeit ist eine Kraftquelle, sie schenkt Energie.

 

Was halten Sie vom Begriff der Lebensarbeit? Gestalten Sie Ihr Leben?

 

Kommen Sie doch im OpenMindSalon in Zürich vorbei! Ich freue mich darauf Sie kennenzulernen.

Donnerstag, 17. Juli 2014. Nähere Infos und Anmeldung

 

 

Schlagwörter: Sinnvolle-arbeit

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