Kommunikation als Lebenskunst – die Fragen lieben

09.09.2014, Regina Schlager

Auf Leben-ohne-Limit ist heute meine Rezension des Buchs „Kommunikation als Lebenskunst. Philosophie und Praxis des Miteinander-Redens“ von Bernhard Pörksen und Friedemann Schulz von Thun erschienen. Was mir besonders gefällt: Dass Friedemann Schulz von Thun, der mit seinem 3-bändigen Werk der Kommunikationspsychologie „Miteinander reden“ bekannt geworden ist, hier im Dialog mit Bernhard Pörksen auch auf die Grundfragen der Existenz eingeht: Was will ich vom Leben und was will das Leben von mir?

Die Frage nach der eigenen Berufung

Das trifft letztlich die Frage der eigenen Berufung: Wozu bin ich eigentlich hier? Wie will ich leben und arbeiten? Wie möchte ich zum größeren Ganzen beitragen?

Im Coaching arbeite ich gerne mit dem „Inneren Team“ und wende es auch für mich selbst an: Es geht dabei darum, die inneren Anteile bzw. inneren Stimmen zu einer bestimmten Frage oder zu einer Situation anzuhören. Meist handelt es sich um etwas, was wir als Problem betrachten oder wozu wir uns eine Klärung wünschen. Schulz von Thun meint im Buch, es kann lohnenswert sein, sein inneres Team auch bei diesen tiefen, existentiellen Fragen zu Wort kommen zu lassen.

Das sind ja oft sehr leise Stimmen dabei, die wir meist gar nicht wahrnehmen. Oder wenn wir sie wahrnehmen, dann schieben wir sie gerne wieder weg, verbieten ihnen das Wort.

Die Fragen selbst lieben und in die Antwort hineinleben

Und Friedemann Schulz von Thun zitiert am Schluss eine Textstelle, die mir viel bedeutet. Es handelt sich um eine Passage von Rainer Maria Rilke aus den „Briefen an einen jungen Dichter“. Ich habe eines dieser wunderschönen Exemplare aus der Insel-Bücherei, das ich irgendwann vor Jahren beim Stöbern auf einem Flohmarkt entdeckt habe. Mit Aufmerksamkeit gelesen habe ich das Buch 2008, als ich mit meiner Mutter auf einer Kroatien-Reise war (eine sehr schöne Gelegenheit, um Zeit mit meiner Mutter zu verbringen). Bei dieser Stelle habe ich sogleich tief in mir Resonanz gespürt.

Die Briefe des jungen Mannes sind nicht abgedruckt. Offenbar macht er sich über etwas in seinem Leben tiefe Sorgen. Er möchte zu einer Lösung kommen. Er scheint zu leiden an dieser für ihn ungelösten Situation.

Rilke bittet ihn, Geduld zu haben „gegen alles Ungelöste in Ihrem Herzen und zu versuchen, die Fragen selbst liebzuhaben wie verschlossene Stuben und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache geschrieben sind. Forschen Sie jetzt nicht nach den Antworten, die Ihnen nicht gegeben werden können, weil Sie sie nicht leben könnten. Und es handelt sich darum, alles zu leben. Leben Sie jetzt die Fragen. Vielleicht leben Sie dann allmählich, ohne es zu merken, eines fernen Tages in die Antwort hinein.“

 

Gelingt es Ihnen, das Ungewisse zuzulassen? Wie gehen Sie damit um? Welche Erfahrungen haben Sie, die Sie vielleicht teilen möchten?

 

Link:

Rezension Bernhard Pörksen / Friedemann Schulz von Thun: Kommunikation als Lebenskunst. Philosophie und Praxis des Miteinander-Redens. Leben-ohne-Limit (9.9.2014)

Buchbeschreibung beim Carl-Auer Systeme Verlag mit Video der Autoren

Videos mit Bernhard Pörksen und Friedemann Schulz von Thun im Gespräch auf youtube

Schulz von Thun Institut für Kommunikation (mit anschaulichen Beschreibungen seiner Kommunikationsmodelle)

Schlagwörter: Wachstum, Buchbesprechungen, Potential, Berufung

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