5 Gründe, warum die Frage nach der Berufung uns blockiert

09.04.2015, Regina Schlager

Kennen Sie Ihre Berufung? Wie geht es Ihnen mit dieser Frage? Mir begegnet immer wieder, dass sich Menschen durch die Frage nach der eigenen Berufung blockiert fühlen. Woran kann das liegen?

1) Berufung “finden”

Diese Formulierung lässt das Bild aufkommen, dass es da etwas Fertiges gibt, ein Ding, das für uns bereit liegt. Mit etwas Suchen können wir es wohl finden. Was aber, wenn wir suchen und nie das Gefühl haben: “Das ist es. Jetzt hab ichs"? Ist es zu gut versteckt? Oder suchen wir nicht genau genug?

Berufung ist dann nichts, das wir selbst gestalten. Wir geben unsere Verantwortung ab.

Das Wort “finden” verleitet auch zu der Ansicht, dass es das “einzig Richtige” gibt. Wir suchen dann verzweifelt nach diesem Einzigen.

2) Berufung als Erwerbsarbeit

Unser Begriff der Arbeit ist gesprägt von der Erwerbsarbeit: dem Beruf, den Tätigkeiten, mit denen wir ein Einkommen erzielen und unseren Lebensunterhalt verdienen. Berufung wird oft gleichgesetzt mit dem Beruf, und Beruf mit Erwerbsarbeit.

Berufung hat etwas damit zu tun, wozu wir uns gerufen fühlen. Wir beantworten damit die Frage: “Wozu bin ich hier?” Klammern wir uns an einen einseitigen Begriff von Arbeit, dann entgehen uns alle anderen Bereiche unseres Lebens: jegliche unbezahlte Tätigkeiten, Beziehungen, kreativer Ausdruck. Und wir verzwecken alles, was wir tun: Es zählt nur, wofür wir Geld bekommen.

3) Berufung als hehres Ziel in der Zukunft

“Irgendwann werde ich meine Berufung leben”. Das Ziel wird weit in der Zukunft gesehen, dann, wenn wir Zeit dafür haben oder die Umstände es zulassen. “Wenn ich in Pension bin”, “wenn die Kinder aus dem Haus sind”, “wenn ich mehr Geld habe”.

Ich brauche mich dann nicht zu fragen: Was kann ich jetzt bereits tun, um mich lebendig und schöpferisch zu fühlen? Welches Potenzial trage ich bereits in mir, kann ich dankbar sein für diesen Reichtum? Ich bin nicht perfekt und werde es nie sein, wie drücke ich mich dennoch authentisch in der Welt aus?

4) Berufung exklusiv für besondere Menschen

“Berufung - das ist doch nur etwas für Priester und Künstler.” Irgendwie haftet dem Begriff der Duft des Besonderen, Außergewöhnlichen an. Wir können uns dann leicht darauf zurückziehen, dass wir einfach “ganz normal” sind und uns so etwas wie Berufung gar nicht zusteht.

5) “Ohne Berufung bin ich nicht ok"

Sie leben Ihr Leben und Ihre Arbeit macht Ihnen Freude (d.h. nicht, dass Sie permanent “happy” sind). Sie fühlen sich auf dem Weg, wollen sich weiterentwickeln und das verwirklichen, was in Ihnen steckt. Aber Sie können mit dem Begriff “Berufung” nichts anfangen. "Aber wenn darüber so viel geredet und geschrieben wird - verpasse ich dann womöglich etwas Wichtiges? Möglicherweise ist mein Leben ja doch nicht so toll, wie ich glaubte. Irgendetwas stimmt nicht mit mir."

Schlagwörter: Berufung

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