Mindful Leadership Symposium Zürich: Ein Bericht

12.05.2015, Regina Schlager

Am Freitag, den 8. Mai 2015, fand im schönen Ambiente des Gottlieb Duttweiler Instituts im Kanton Zürich der Schweiz das Mindful Leadership Symposium zum Thema: “Das Zeitalter der Genügsamkeit” statt. Angesichts des wirtschaftlichen Credos nach endlosem Wachstum stellte es die Fragen: Was ist genug, wann ist es genug?

Christian Kurmann eröffnet das Mindful Leadership Symposium 2015 im GDI Zürich

Die Antwort des tschechischen Ökonomen Tomas Sedlacek: “Für den Menschen gibt es kein Genug, außer du sagst, dass es genug ist.” Sein Vortrag war für mich der mitreissendste der Veranstaltung. Er erzählt aus der Bibel, wenn er deutlich macht, dass wir Menschen einen Drang haben, über uns hinauszuwachsen und dabei auf das Ruhen vergessen; und er zitiert Horrorfilme, um zu zeigen, dass der Mensch im Spannungsfeld zwischen Roboter und Tier steht.

Mindful Leadership Symposium Zürich 2015, Referent Tomas Sedlacek

Für ihn ist klar, dass es unvernünftig und völlig kurzsichtig ist, auf permanentes wirtschaftliches Wachstum zu setzen und alle Systeme (wie z.B. das Pensionssystem) darauf auszurichten. In der Geschichte gab es immer Zyklen des Auf und Ab.

Neue, verantwortliche Ansätze der Führung, des Leadership finden bzw. gemeinsam gestalten, das finde ich eine der wichtigsten Aufgaben der heutigen Zeit. Das beginnt zunächst bei jedem Einzelnen, der eigenen Einstellung und Verhaltensweise. Und es ist eine Sache der gesellschaftlichen und organisationalen Strukturen.

Das machte auch Thomas Sattelberger deutlich, dessen sehr persönlich gehaltener Beitrag mich sehr beeindruckte. Seiner Meinung nach steht es an, Führung neu zu definieren: Achtsame und genügsame Führung mit der Verantwortung für dosierte Veränderung. Das ist sowohl eine individuelle wie auch eine organisationale Frage und braucht Selbstreflexion und Bewusstheit. Vor allem sind dazu Laboratorien des persönlichen Lernens notwendig.

Er erzählte von Momenten aus seinem Berufsleben als Top-Manager, in denen er der eigenen inneren Wahrheit treu war. Das resultierte in einem Fall darin, dass er kündigte, in einem anderen in den Worten an den Vorstands-Vorsitzenden: “Wenn wir das nicht ändern, dann suchen Sie sich einen anderen Clown!” Dem ging in beiden Fällen eine Zeit voraus, in der er intensive innere Konflikte austrug.

Gottlieb Duttweiler Institut, Zürich

John Perkins konnte nicht anreisen und sprach deshalb via Skype zum Publikum. Leider war es ihm nicht möglich, seinen ganzen Vortrag zu halten, da die Verbindung abbrach und nicht wiederhergestellt werden konnte. In den wenigen Minuten fand er deutlich kritische Worte für seine frühere Rolle als Berater der Weltbank.

Am Schluss verteilte Nicole Ming, eine der Organisatorinnen des Symposiums, eine Saatmischung für eine Blumenwiese mit einheimischen Blütenpflanzen: “Mindful leadership is the seed to change everything". Ich werde die Samen in einem Topf auf meinem Balkon aussäen.

Nicole Ming als Organisatorin auf dem Mindful Leadership Symposium 2015 in Zürich verteilt "Seeds of Change"

Nicole merkte man ihre Begeisterung für das Symposium und die dahinter stehende Sache an, sie hat auch den Ausschlag gegeben, dass ich mich nach einigem Überlegen (wegen Zeit und Kosten) dann doch angemeldet habe.

Aufgefallen ist mir, dass das Symposium sehr konventionell gestaltet war: Referenten auf dem Podium, Panel-Diskussionen, für die Zuhörer nur nach der zweiten Diskussionsrunde am Nachmittag die Möglichkeit, Fragen zu stellen oder Anmerkungen zu machen. Vielleicht gibt es da ja noch Änderungen beim nächsten Mal? Denn ein nächstes Mal wird es laut Schlussworten des Gründers Christian Kurmann mit Sicherheit geben.

Links:

Website mit allen Referenten: Mindful Leadership Symposium (Lilian Cheung konnte leider nicht dabei sein), 8.5.2015, Zürich
Zusammenfassung und Impressionen

Fotos: Mindful Leadership Symposium

Schlagwörter: Fuehrung, Leadership, Achtsamkeit, Veraenderung

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