US-Wahl: Was ist mein Beitrag?

09.11.2016, Regina Schlager

Es ist Mittwoch, der 9. November 2016, in der Früh. Es sieht so aus, als würde Donald Trump die US-Wahl gewinnen. Was mich beunruhigt, ist das Ausmaß an Hass und Gewalt, das sich im Zuge dieser Wahl zeigt. Ich habe vorhin nochmals auf Facebook die Seite der Kandidaten aufgesucht. Die Kommentare machen den Gegenkandidaten herunter. Ich lese, dass es eine Schießerei vor einem kalifornischen Wahllokal gab. In den letzten Wochen und Monaten wurde viel gesagt und geschrieben, wie böse, abscheulich, unmoralisch die/der andere doch ist. Und es wurde offen zu Gewalt aufgerufen.

Ich spüre ein Unbehagen in der Magengegend, Übelkeit. Angst, vor dem, was kommt. Die Situation weltweit ist besorgniserregend. Es scheinen immer tiefere Gräben aufzugehen. Vor jedem Krieg steht die Entmenschlichung von Menschen. Menschen fühlen sich berechtigt, andere zu foltern und zu töten, wenn sie sie dämonisieren.

Und ich frage mich, was mein Beitrag ist. Jetzt, ganz konkret.

Ich glaube fest daran, dass der Weg zu gegenseitigem Verständnis über Zuhören und Dialog führt. Dafür braucht es Räume. Räume, in denen wir uns in unserer Menschlichkeit erkennen können. Wo wir uns mit unserer Unterschiedlichkeit zeigen können und die Unterschiedlichkeit des anderen aushalten. Und wo wir spüren, was uns auf tiefer Ebene gemeinsam ist. Das ist kein Aufruf zur allgemeinen Harmonie. Das Wegwischen von Unterschieden, gegensätzlichen Auffassungen, das Nicht-Sehen-Wollen von dem, was auch schwierig ist und worauf es keine einfachen Antworten gibt, führt uns gerade in solche Situationen, wo wir dann mit Abwehr und Gewalt reagieren.

Dieses Zuhören beginnt bei mir selbst. Bringe ich Verständnis auf für alle Stimmen, die sich in mir zeigen? Auch für die, die in Gut und Böse aufspalten? Auch für die, die abwerten, kritisieren, heruntermachen? Die, die Angst haben? Die, die Aggression spüren? Die, die einfach nicht weiterwissen?

Ich weiß nicht, wie es weitergeht. Was ich weiß, ist, dass das, was ich tue oder nicht tue, zählt.

Meine Gedanken, die Energien, die ich aussende, meine Worte, zählen. Meine Handlungen zählen. Wann verurteile ich Menschen? Wann schiebe ich Verantwortung ab auf andere: »Sollen sie doch die Lösung finden für ein dringendes Problem. Es sind doch die Experten. Was kann ich schon tun?«
Wann spreche ich nicht, obwohl ich weiß, dass mein Wort wichtig wäre?
Wann verstecke ich mich hinter meiner Angst und Unsicherheit?
Wann handle ich nicht, obwohl ich spüre, dass es für etwas einzustehen gilt?

Regina Schlager

Viele Menschen befinden sich heute in einer Phase des Wandels. Das Alte passt nicht mehr, das Neue ist noch nicht da oder fühlt sich noch sehr unsicher an. Auch als Gesellschaft befinden wir uns weltweit in einer Zeit des Übergangs. Als Coach, Gastgeberin, Autorin und geerdete Philosophin begleitet Regina Schlager  in diesen Transformationsphasen. Sie öffnet Räume, um in lebendigen, kreativen Kontakt mit sich selbst, anderen und der Welt zu kommen und aus dieser Verbindung heraus zu handeln.

4 Kommentare

Marina Krehan at 10.11.2016:

Sie sprechen mir so sehr aus der Seele. Es gibt mir das Gefühl von Verbundenheit und hilft dabei die Kraft aufzubringen, neue Wege zu gehen. Danke dafür Marina Krehan

Regina Schlager at 11.11.2016:

Danke, Frau Krehan. Das freut mich sehr.

Ursina Wälchli at 17.11.2016:

Liebe Regina, Vielen Dank für den super Artikel. So geht es mir auch. Und es ist so wichtig unseren eigenen Beitrag zu sehen bzw zu uns zu stehen. Denn erst gestern ertappte ich mich, wie ich in einem Gespräch sagte: 'Na ja, wir können nichts tun'. Erst kurze Zeit später realisierte ich, wie sehr ich mich selbst und uns alle damit beschneide. Natürlich können wir etwas tun: Im Kleinen für uns einstehen, uns nicht auf dasselbe Niveau des Hasses und der Missgust runterlassen und Solidarität selbst leben. Und sobald wir selbst handeln, erleben wir uns auch nicht mehr als ohnmächtig. Also los :-). Vielen Dank und liebe Grüsse, Ursina

Regina Schlager at 17.11.2016:

Danke, Ursina. "Also los" - das gefällt mir! Ja, wir können etwas tun, unser Beitrag ist wichtig.

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