Nafissa’s Kitchen - meine Erfahrungen als Mentorin

08.12.2016, Regina Schlager

Gestern fand das große Abschlussevent des ersten Capacity Mentoring-Programmes im Viaduktbogen des Impact Hub Zürich statt. Mit dem Programm wurden Menschen mit Flucht- oder Migrationserfahrung unterstützt, ein Sozialprojekt auf die Beine zu stellen oder ein Unternehmen zu starten. Ich begleitete in der Rolle der Mentorin Nafissa Saya, die aus Afghanistan kommt und dort Ärztin war. Sie begann mit Catering von afghanischem Essen: Nafissa’s Kitchen.

Am gestrigen Abend wurde der erste Durchgang des Mentoring-Programmes gefeiert. In Kurzpräsentationen stellten drei Mentees ihre Projekte vor, und ich sprach als Mentorin über meine Erfahrungen.

Nafissa Saya stellte Kostproben ihrer afghanischen Speisen in Form von Fingerfood zur Verfügung. Ich hatte ein wenig davon probiert, führte dann allerdings ein interessantes Gespräch. Daraufhin wollte ich noch weiter gustieren: das Essen war so gut angekommen, dass alles bereits weg war. (Keine Sorge, hungern musste ich nicht, es gab ein tolles Buffet von »Zum guten Heinrich«).

Die sechs Monate im Mentoring-Programm waren eine schöne Erfahrung für mich. Ich stieß erst kurz vor Beginn im Juni darauf und wusste sofort, dass ich mitmachen will. Ich selbst kam vor fünf Jahren in die Schweiz. Obwohl ich aus Österreich, also der EU, gekommen war und mit Deutsch einen Sprachvorteil hatte, spürte ich doch trotz dieser privilegierten Situtation die Unsicherheit, ob und wie lange ich bleiben kann.

Beim Kick-off-Event im Juni war ich gespannt, wer mir als Mentee zugeteilt würde. Das erste Gespräch mit Nafissa Saya war dann gleich sehr berührend. Sie erzählte mir von ihrer persönlichen Geschichte und stellte mir ihre Idee vor, ein Restaurant gemeinsam mit anderen Frauen zu gründen und dort afghanisches Essen anzubieten.

Schon bald wurde ihr klar, dass sie es kleiner angehen wollte: die Miete eines Restaurants ist an Auflagen gebunden, man braucht Kapital, es besteht ein großes Risiko, dass nicht bald genügend Einkünfte hereinkommen. So war die Idee geboren, in überschaubaren Schritten mit Catering zu starten.

Die Mentees hatten die Gelegenheit, einige Workshops zu besuchen, wo sie lernen konnten, was zum Start eines Unternehmens dazu gehört, so z.B. die rechtlichen Grundlagen, einen Business-Plan erstellen, Marketing, Networking etc. Auch wir Mentoren durften daran teilnehmen, ich habe es allerdings leider nur zu einem Workshop geschafft.

Nafissa Saya sieht ihren Weg und die weiteren Schritte. Sie arbeitet an Marketingmaterialien, so soll es bald eine Webseite geben. In Kürze hat sie einen Großauftrag mit 70 Gästen und am 11. Februar ist sie Gastköchin im Restaurant Holzschopf in Zürich.

Wichtig ist ihr, mit dem, was sie durch das afghanische Essen hier in der Schweiz einnimmt, auch Menschen in Afghanistan zu unterstützen: so vor allem Kinder, die kein Dach über dem Kopf haben.

Ich wusste gleich am Anfang, dass wir als Mentee und Mentorin gut zusammenpassen. Das Capacity-Team hat sich offenbar viel Mühe gegeben und ein gutes Gespür gehabt, die passenden Leute zusammenzuspannen. Im Laufe der Monate wurde aus der Mentoring-Beziehung eine Freundschaft. Wir werden weiterhin in Kontakt bleiben und uns gegenseitig unterstützen.

Fotos: Gerald Knoll

Regina Schlager

Viele Menschen befinden sich heute in einer Phase des Wandels. Das Alte passt nicht mehr, das Neue ist noch nicht da oder fühlt sich noch sehr unsicher an. Auch als Gesellschaft befinden wir uns weltweit in einer Zeit des Übergangs. Als Coach, Gastgeberin, Autorin und geerdete Philosophin begleitet Regina Schlager in diesen Transformationsphasen. Sie öffnet Räume, um in lebendigen, kreativen Kontakt mit sich selbst, anderen und der Welt zu kommen und aus dieser Verbindung heraus zu handeln.

Schlagwörter: Veraenderung

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