Gelassenheit braucht Erdung

02.02.2017, Regina Schlager

Wir müssen gut geerdet sein, um Ideen auch wirklich umzusetzen, sie auf den Boden zu bringen. Wir brauchen Erdung, um für uns und für das, was uns wichtig ist, einstehen zu können. Wir müssen die Verbindung zum Boden spüren, um auch dann Stand zu halten, wenn es schwierig wird. Was nehmen Sie wahr, wenn Sie das lesen? »Das ist ja esoterisch«, »Damit will ich nichts zu tun haben!«, »Was für ein irrationaler Quatsch«?

»Erdung« löst Widerstände und Ängste aus

Es ist auffallend, welche Ängste und Widerstände die Erwähnung von Erdung (engl. grounding) auslöst. Bei mir war das, bis ich etwa 35 Jahre alt war, auch so. In den folgenden Jahren habe ich verschiedene Methoden ausprobiert und manche davon auch eingehender studiert, weil ich mehr zu mir finden wollte.

Ich erinnere mich an eines der ersten Seminare, das ich besuchte. Die Atem- und Stimmtherapeutin meinte, wir sollten einen Fuß in die Hand nehmen und die Ferste sanft halten. Mir war das irgendwie peinlich. Ich bemerkte, wie wenig Beachtung ich meinen Füßen gegeben hatte und wie schambesetzt das Ganze für mich war.

Heute betrachte ich Erdung als das Grundsätzlichste überhaupt, um zu sich selbst und zu seiner Berufung zu finden.

Es beginnt damit, unsere Füße auf dem Boden zu spüren. Wann sind Sie zuletzt barfuß im Freien gelaufen? Wir verbringen die meiste Zeit in Schuhen, vor allem, wenn wir in der Stadt wohnen. Da wir in unserem heutigen Alltag nicht so häufig Gelegenheit haben, mit unseren Zehen im Sand oder in der Erde zu wühlen, brauchen wir andere Möglichkeiten.

Erdung bedeutet, wieder eine Beziehung mit der Erde aufzubauen

Wir sind so weit entfernt von einer gesunden Beziehung zur Erde, zu dem Planeten, auf dem wir unsere kostbare Lebenszeit verbringen. Vielleicht ist das einer der Gründe, warum etwas in uns sich so sehr dagegen sperrt, wenn wir von Erdung hören oder lesen? Eine gesunde Beziehung ist für mich eine reziproke, gegenseitige Beziehung. Derzeit nehmen wir nur, und wir glauben, wir sind berechtigt dazu.

Es ist schmerzlich zu erkennen, wie wir mit der Erde, und damit auch mit den Tieren, Pflanzen und letztlich mit anderen Menschen und uns selbst, umgehen. Wenn wir wieder mit ihr in Kontakt treten, dann werden wir Schmerz spüren. Ich glaube, das ist unvermeidbar. Das wir uns davor scheuen, ist verständlich. Es ist schmerzlich zu erkennen, was vorgeht in der Welt. Dass wir selbst daran beteiligt sind. Dass wir dafür mit-verantwortlich sind.

Hier braucht es eine Haltung der inneren Gelassenheit. Ohne sie sind wir total überwältigt: Wir stumpfen ab und flüchten uns in Zerstreuungen oder Süchte, bekämpfen andere als die Schuldigen oder stürzen uns in kräfteverzehrenden Aktivismus, der uns ausbrennen lässt.

Wie ich in meinem Blogartikel »Akzeptieren, was ist» geschrieben habe, heißt das für mich nicht, dass wir gleichgültig sind. Ganz im Gegenteil!

Erdung bringt uns weg vom bloßen Reagieren

Erdung ist die Fähigkeit, sich ganz da zu fühlen, egal in welcher Situation oder Umgebung wir uns gerade befinden. Dadurch wird es möglich, sich auch in einem kalten Besprechungszimmer inmitten einer heftigen Diskussion bei sich zu fühlen und innerlich ruhig zu bleiben. Wir reagieren dann nicht einfach aus unserer Angst und Unsicherheit heraus.

Erdung bedarf der Übung

Erdung ist nicht etwas, das Sie erhalten, wenn Sie ein Mal oder ein paar Mal in eine Körpertherapie- oder ganzheitliche Coachingsitzung gehen mit dem Anspruch, sich reparieren zu lassen. Ich halte sehr viel von diesen Methoden, und ich biete ja selbst auch welche an. Sie bekommen dort Hinweise, Sie beginnen, ein Gespür dafür zu entwickeln, wie es sich anfühlt, sich sicher und zuhause zu fühlen. Dann liegt es allerdings an Ihnen, das in den Alltag mitzunehmen und zu praktizieren. Und praktizieren heißt, etwas regelmäßig tun, bestenfalls täglich. Das kann Ihnen niemand abnehmen.

Wollen Sie es ausprobieren?

Stellen Sie sich mit beiden Beinen auf den Boden. Spüren Sie Ihre Füße und nehmen Sie den Kontakt zum Boden wahr. Stellen Sie sich vor, Sie hätten Wurzeln, die in den Boden hineinwachsen. Die Wurzeln reichen sehr tief in die Erde hinunter.

Das klingt wenig spektakulär. So einfach ist es. Falls wir es machen und dran bleiben: und das ist bekanntlich das Schwierige. Probieren Sie es aus und beobachten Sie, was es mit Ihnen macht und was sich dadurch für Sie verändert.

Was halten Sie davon? Wie geht es Ihnen damit? Schreiben Sie doch ins Kommentarfeld.

 

In kommenden Blogartikeln möchte ich über weitere elementare Zutaten für mehr Gelassenheit schreiben. Warum? Weil ich der Überzeugung bin, dass eine gelassene Haltung ganz entscheidend ist, um von einem tiefen Ort in uns her zu handeln. Der Zugang zu diesem Ort bringt uns ins Kontakt mit unserer Berufung: dem, wozu wir hier auf der Welt sind. Ich will dazu beitragen, dass immer mehr Menschen auf ihr Herz hören und dann mutig die gerade anstehenden Schritte umsetzen. Wir dürfen träumen, eine Vision ist ganz elementar. Doch dann geht es um die Umsetzung, und da stocken wir häufig. Jede Einzelne und jeder Einzelne von uns bringt etwas Einzigartiges mit, das unsere Welt braucht. Gerade jetzt, in diesen Zeiten des Übergangs. In welcher Zukunft wir leben werden, gestalten wir jetzt mit.

 

Erdung ist einer der Hinweise, die ich im 7-seitigen PDF »3 Zutaten für mehr Gelassenheit in Zeiten des Übergangs» gebe.

Wollen Sie für sich und gemeinsam mit anderen über Gelassenheit reflektieren und konkrete Übungen dazu kennenlernen? Am Samstag, den 4. Februar 2017 halte ich in Zürich einen Ganztagesworkshop dazu. »Gelassenheit in Zeiten des Übergangs: Workshop für Männer und Frauen«, Beginn ist um 13.00 Uhr.

Regina Schlager

Viele Menschen befinden sich heute in einer Phase des Wandels. Das Alte passt nicht mehr, das Neue ist noch nicht da oder fühlt sich noch sehr unsicher an. Auch als Gesellschaft befinden wir uns weltweit in einer Zeit des Übergangs. Als Coach, Gastgeberin, Autorin und geerdete Philosophin begleitet Regina Schlager in diesen Transformationsphasen. Sie öffnet Räume, um in lebendigen, kreativen Kontakt mit sich selbst, anderen und der Welt zu kommen und aus dieser Verbindung heraus zu handeln.

 

Schlagwörter: Achtsamkeit, Burnout, Koerperwissen, Veraenderung, Vision, Berufung, Lebenskunst, Embodiment

2 Kommentare

Mirjam at 03.02.2017:

Wow, liebe Regina. Jetzt bin ich gerade über Deinen Blogartikel 'gestolpert' :-) und auf dem Boden angekommen. Ja das Erden. Für mich als sehr feinfühlige Person, ist es das A und O und ich kann nicht genug daran erinnert werden! Merci und liebe Grüsse, Mirjam

Regina Schlager at 03.02.2017:

Danke, liebe Mirjam. Ja, gerade für sensible Menschen ist Erdung äußerst wichtig. Das sehe ich auch so. Wie schön, dass du durch meinen Blogartikel auf dem Boden angekommen bist. Liebe Grüße, Regina

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