Courage Circle NEU - mein eigener mutiger Schritt

14.04.2017, Regina Schlager

»Mutig mit dem Herzen führen«, so heißt mein Buch: Ich habe mich zu einem mutigen Schritt entschieden. Wenn ich schon den »Courage Circle: Für Frauen, die mit Mut und Herz den eigenen Weg gehen» anbiete, geht es dann nicht vor allem auch darum, selbst couragiert zu sein? Nicht länger zu zaudern, sondern eine Grenze zu erweitern? Ich werde den Circle im Rahmen einer Geschenkökonomie anbieten. Die Teilnehmerinnen sind eingeladen, nach dem Abend zu zahlen, was es ihnen wert ist. Und auch Tauschstunden des Tauschnetzwerkes Taf-Tauschen am Fluss sind mir willkommen.

Dem ist in den letzten zwei bis drei Jahren ein innerliches Ringen vorangegangen:

  • Wenn ich so etwas mache, wird meine Arbeit dann überhaupt als wertvoll angesehen?
  • Gehen manche TeilnehmerInnen dann davon aus, das sei gratis, und denken: Gratis ist nichts wert?
  • Sind die Leute dann überhaupt bereit, etwas zu zahlen, oder zahlen alle nur ganz wenig?
  • Ist das ein Ausdruck meines mangelnden Selbstwertgefühls, stecken negative Glaubenssätze dahinter?
  • Mache ich das aus Unsicherheit, wieviel ich verlangen kann - und schiebe ich die Entscheidung damit auf die Teilnehmer ab?
  • Was sagen andere Coaches und Berater darüber, bin ich dann noch glaubwürdig?
  • Wirkt es dann so, als wäre meine Arbeit bloß ein Hobby?
  • Ich muss ja auch meine Rechnungen bezahlen: Habe ich dann genug Einnahmen? Wo führt das hin? Was, wenn ich unter der Brücke lande...?

Ich will aktiv zu einem Ökosystembewusstsein und einer Ökosystemwirtschaft beitragen

Öko kommt aus dem Altgriechischen und meint dort ganzes Haus. Im vorherrschenden Modus der Ökonomie geraten größere Zusammenhänge allerdings gerade nicht in den Blick. Massenprodukte werden billig angeboten, die vollen Kosten werden ausgelagert: An Menschen in anderen Ländern und Kontinenten, die Natur und künftige Generationen.

Die Wirtschaft hat sich zum Leitsystem aufgeschwungen, dem sich alle anderen unterordnen müssen. Was einzig zählt, ist immerwährendes Wachstum. All das ist systembedingt und kann nicht auf einzelne Menschen oder Gruppen geschoben werden, sei es als »geizige Unternehmer« oder »böse Banker«. Und gleichzeitig kommt es auf jeden Einzelnen an.

Bei der Meetup-Gruppe Frauen und sinnvolle Arbeit, die ich im Januar 2014 gestartet und bis Ende 2015 geführt habe, experimentierte ich bereits mit dem Modell »Zahl, was du für richtig empfindest«. Allerdings war ich damals innerlich ziemlich unsicher und dann häufig auch sehr frustriert. Ich merkte, dass die Verbindlichkeit teilweise nicht sehr groß war: Frauen meldeten sich im letzten Moment ab, einige zahlten sehr wenig pro Abend. Ich begann den Courage Circle 2016 daher als Format, bei dem ich einen fixen Preis verlangte. Einen, wo ich laut Marktrecherche das Gefühl hatte, er sei durchaus gerechtfertigt.

Ich habe gemerkt, dass ich so etwas nur machen kann, wenn ich auch bereit bin, wirklich alles anzunehmen

Ich kann nicht sagen: Gib, was du für richtig empfindest, und dann bei zehn Franken die Nase rümpfen. Oder ablehnen, wenn jemand viel mehr gibt, als ich selbst zuvor verlangt hatte. Es wäre möglich, einen Rahmen anzugeben, der sich an meinen Basiskosten oder dem marktüblichen Preis orientiert. Das mache ich momentan nicht, da ich mit dem derzeitigen Raum eine mir sehr entgegenkommende Lösung gefunden habe. Müsste ich für jeden Abend 200 Franken Miete bezahlen, würde das natürlich schon wieder anders aussehen.

Ich sehe es als Lernraum, den ich öffne: für mich und auch die Teilnehmerinnen

Wir experimentieren damit eine neue Form von Geben und Nehmen. Es ist so ungewohnt in unserem Wirtschaftssystem, dass es für beide Seiten nicht einfach ist. Es werden diejenigen teilnehmen, die sich  darauf einlassen wollen. Und ich werde mich beobachten, welche Glaubenssätze und Ängste in mir ausgelöst werden, mit der Intention, aktiv damit umzugehen. Für mich setzt es vor allem Vertrauen voraus: Dass letztlich ein Ausgleich stattfindet, dass Geben und Nehmen in Balance sind. Ich starte zunächst mit diesem Angebot, andere Formate biete ich weiterhin mit festem Preis an.

Ich will außerdem endlich mehr meiner eigenen Forschungs- und Lernerfahrungen in Bezug auf neue Wirtschaft, Arbeit und Führung offenlegen. Auch das bedeutet für mich Geben. Wenn ich das nur für mich behalte, dann halte ich etwas zurück, das für andere Geschenk sein kann. Weil es informiert, inspiriert, Aha-Erlebnisse auslöst, neue Ideen anregt und ins Handeln bringt.

So möchte ich bald über folgende Aspekte schreiben: Warum soll es schlecht sein, einen fixen Preis zu verlangen? Ist Geld böse? Was bedeutet eine Geschenkökonomie eigentlich? Inwiefern hat das etwas mit weiblicher Führungskraft zu tun?

Der nächste »Courage Circle: Für Frauen, die mit Mut und Herz den eigenen Weg gehen« findet am 8. Mai 2017 statt.

Regina Schlager

Viele Menschen befinden sich heute in einer Phase des Wandels. Das Alte passt nicht mehr, das Neue ist noch nicht da oder fühlt sich noch sehr unsicher an. Auch als Gesellschaft befinden wir uns weltweit in einer Zeit des Übergangs. Als Coach, Gastgeberin, Autorin und geerdete Philosophin begleitet Regina Schlager in diesen Transformationsphasen. Sie öffnet Räume, um in lebendigen, kreativen Kontakt mit sich selbst, anderen und der Welt zu kommen und aus dieser Verbindung heraus zu handeln.

Schlagwörter: Frauennetzwerk, Berufung, Lernen

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