Aktive Hoffnung

11.05.2017, Regina Schlager

Neulich habe ich das Buch »Active Hope« von Joanna Macy gelesen. Das hat ein großes Aha und auch ein Wiedererkennen in mir ausgelöst. Eine aktive Hoffnung bringt ins Handeln. Wir übernehmen Verantwortung. Wir bleiben keine Beobachter, wir fühlen uns als Mitgestalter. Doch wie kommen wir in diese Haltung?

Angst vor der Zukunft

In letzter Zeit begegne ich immer wieder Menschen, die Angst haben, was die Zukunft bringen wird. In Wien fällt mir das noch stärker auf als in Zürich. Ich nehme wahr, dass es meist beim Beklagen der als schwierig oder schlecht empfundenen Lage bleibt. Selten werden Ideen genannt, wie eine positive Zukunft aussehen könnte. Wenig ist zu erkennen von einem Bestreben, dabei aktiv mitzuwirken. Meist werden andere als schuldig gesehen, der eigene Anteil wird ausgespart, systemische Zusammenhänge kommen nicht in den Blick.

Und ich nehme mich da nicht aus. Natürlich kenne auch ich das: Ich bleibe stecken in der Geschichte über das, was mich beunruhigt. Ich ergründe nicht die tieferen Ursachen, sondern bleibe an den Symptomen an der Oberfläche hängen. Ich lenke mich ab, um die Angst dahinter nicht spüren zu müssen, mit all den unangenehmen Empfindungen, die mit ihr verbunden sind. Oder aber es drückt mich nieder in eine depressive Stimmung und alles fühlt sich dumpf und matt an.

Wie ist aktive Hoffnung möglich?

Hoffnung nicht im Sinne von: Es wird schon gut werden, ich muss nichts dazu tun, ich lasse die anderen machen. Hoffnung auch nicht im Sinne von: Ich habe Hoffnung nur dann, wenn ich genau weiß, dass es positiv ausgeht.

Aktive Hoffnung ist etwas, das wir tun, nicht haben. Joanna Macy beschreibt sie als einen Prozess mit drei Schritten:

1. Wir schauen genau hin und nehmen die Realität wahr
2. Wir identifzieren die Richtung, in die sich die Dinge für uns wunschgemäß bewegen oder die Werte, die wir ausgedrückt sehen wollen
3. Wie unternehmen Schritte, um uns selbst und unsere Situation in diese Richtung zu bewegen

Aktive Hoffnung ist nicht auf Optimismus angewiesen. Daher können wir sie auch in Bereichen anwenden, die sich ausweglos anfühlen.

Die treibende Kraft dabei ist unsere Intention: Wir wählen, was wir bewirken wollen, setzen uns dafür ein oder drücken es aus. Statt unsere Chancen abzuwägen und nur dann etwas zu tun, wenn wir uns hoffnungsvoll fühlen, fokussieren wir uns auf unsere Absicht und lassen sie unsere Reiseleiterin sein.

Links:

Joanna Macy / Chris Johnstone: Active Hope. How to Face the Mess We're in without Going Crazy. New World Library 2012

Joanna Macy / Chris Johnstone: Hoffnung durch Handeln. Dem Chaos standhalten, ohne verrückt zu werden. Jungfermann Verlag 2014

Website Joanna Macy

Veranstaltungshinweis:

Active Hope ist für mich ein wesentlicher Faktor von Wise Leadership. Am 16. Mai 2017 laden meine KollegInnen und ich von der Wise Leadership Group zum ersten Wise Leadership Dialog in diesem Jahr ein. Ort: Zürich. Nähere Informationen und Anmeldung.

Regina Schlager

Viele Menschen befinden sich heute in einer Phase des Wandels. Das Alte passt nicht mehr, das Neue ist noch nicht da oder fühlt sich noch sehr unsicher an. Auch als Gesellschaft befinden wir uns weltweit in einer Zeit des Übergangs. Als Coach, Gastgeberin, Autorin und geerdete Philosophin begleitet Regina Schlager in diesen Transformationsphasen. Sie öffnet Räume, um in lebendigen, kreativen Kontakt mit sich selbst, anderen und der Welt zu kommen und aus dieser Verbindung heraus zu handeln.

 

Schlagwörter: Fuehrung, Leadership, Veraenderung

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