Aus der Ruhe wächst die Schaffensfreude

03.08.2017, Regina Schlager

Im Juli verbrachte ich ein paar Tage bei Veronika Lamprecht auf Schloss Eschelberg im oberösterreichischen Mühlviertel. Es ist der Ort, wo ich im März mit dem »Weg der Königin« der Gaia-Akademie beginne. Meine Intention war, in die Stille zu kommen, bei mir anzukommen, zu entspannen. Das fiel mir zunächst gar nicht leicht. Doch letztendlich wuchs aus der Ruhe neue Schaffensfreude.

Ein großes Ruhebedürfnis machte sich breit und eine Stimme begann mir etwas einzuflüstern.

Es machte sich zunächst ein großes Ruhebedürfnis in mir breit, es zog mich regelrecht zu Boden - und ins Bett. Ich schlief am ersten Tag lange und viel. Dann hatte ich das Bedürfnis, einfach nur so dazusitzen, drinnen in meinem gemütlichen Zimmer oder draußen im Garten. Schauen, die Sonne auf meiner Haut wahrnehmen, da war das Rascheln der Blätter des Kastanienbaums, das Gras, die Blumen darin, mein Atem… Und da tauchte dann bald auch eine Stimme in mir auf, die mir einflüsterte: »Beweg dich doch, geh spazieren, nur herumsitzen tut dir nicht gut. Du könntest in deinem Buch weiterlesen. Ist es nicht an der Zeit, dir etwas zu kochen?«

Welches Bedürfnis ist nun »richtig«?

Mich bewegen, geistige Nahrung aufnehmen, etwas essen - Bei all dem könnte ja ebenfalls ein Bedürfnis dahinter liegen. Warum dem also nicht nachgehen? Welches Bedürfnis ist nun »richtig«? Ich beschloss, da genauer hinzuspüren. Es fühlte sich so an, als würde ich aus dem Einfach-Dasitzen fliehen wollen. Als würde ich es mir nicht erlauben. Als würde es mir nicht zustehen. Da schwang mit: »Du bist faul!« Noch tiefer gehend nahm ich wahr, dass da die Angst war, in eine Lethargie zu verfallen, aus der ich nicht mehr herauskomme, die mich dauerhaft lähmt.

Es schwang die Sorge mit, etwas zu versäumen

Es gab so viele Möglichkeiten, meine Zeit zu verbringen. »Du bist hier in einer neuen Umgebung: Schau dich doch um, erkunde die Gegend.« Das klang nach einem innerlichen Befehl, einem Zwang. Etwas wollte mich antreiben. Aber vielleicht war es ja einfach die Neugierige, Erkundungsfreudige in mir, die sich hier verzweifelt und daher vehement zu Wort meldete?

Ich hatte mir zudem vorgenommen, im Urlaub zu schreiben. Doch ich vernahm zunächst regelrecht Widerwillen. Es fühlte sich mühsam an, es ging gar nicht. Ich hätte mich dazu zwingen müssen. So schrieb ich anfangs nicht.

Es fiel mir schwer, auf mein Körperwissen zu hören und ihm zu vertrauen

Es wurde mir sehr deutlich, dass es mir nicht einfach fällt, auf mein Körperwissen zu hören und ihm zu vertrauen. Es schwangen Schuldgefühle und Bewertungen mit: »Jetzt hättest du doch Zeit dafür! Ist es dir nicht wichtig?«

Hat es damit zu tun, nützlich sein zu wollen? Immer »etwas Produktives« tun zu wollen? Weil ich sonst keinen Wert habe? Beweise ich mir meinen Wert über mein Tun? Ich merkte, dass ich mich häufig über Aktivität, Ergebnisse und Leistungen definiere.

Es gibt ein inneres Wissen in mir, das mir zeigt, was mir jetzt gerade wirklich gut tut, was im Moment angebracht ist, und das mich auch warnt, wenn etwas gefährlich ist.

Um das wahrzunehmen, muss ich aber bereit sein, genau hinzuhören. Das setzt eine bestimmte innere Haltung voraus, eine bestimmte Qualität des inneren Ortes, von dem aus alles entsteht. Es ist das Geschenk einer Auszeit im Urlaub, dass sich ein Raum öffnet, quasi ein Versuchslabor, ein Übungsspielfeld.

Ich beschloss, den restlichen Tag und am nächsten Tag, darauf zu achten, meinen innerlichen Impulsen nachzugehen: Wenn ich Hunger habe, dann esse ich; wenn ich Durst spüre, trinke ich etwas, und wenn es mich zu meinem Buch zieht, dann lese ich. Wenn ich ein Schläfchen machen will, dann lege ich mich hin. Und wenn da zwei oder mehrere Impulse in mir sind, die sich zunächst widersprüchlich anfühlen, dann höre ich allen zu.

Da kam ich in einen Zustand, in dem sich alles ganz leicht und natürlich anfühlte.

Ich kochte mir etwas und war dabei ganz da. Ich rekelte mich genüsslich in der Wiese. Ich verspürte plötzlich große Neugier auf das, was ich in dem Buch fand, machte mir Notizen und plötzlich flossen die Wörter nur so aus mir heraus. Da war eine große Wachheit und Zuversicht. Ich hatte das Gefühl, nun wirklich an diesem Ort angekommen zu sein. Und bei mir.

Seit ich wieder zurück in Zürich bin, setze ich das nun ganz bewusst fort.

Es macht für mich keinen Sinn mehr, Urlaub von Alltag radikal zu trennen. Das war schon vorher so, aber nun ist es noch deutlicher. Ich will mich nicht mehr zu Sachen zwingen. Ich werde Ballast abwerfen. Was belastet mich unnötig, ist nicht mehr hilfreich, was ist zu viel und darf gehen?

Aus dem heraus wächst nun wieder eine Schaffensfreude. Ich mache mich beherzt und freudig an die Arbeit.

 

Eine Auszeit und ein Übungsraum kann auch Meditation sein. Die nächste Morgenmeditation am Dienstag findet am 8. August 2017 in Zürich statt.

Regina Schlager

Viele Menschen befinden sich heute in einer Phase des Wandels, sowohl im persönlichen wie auch im beruflichen Bereich. Das Alte passt nicht mehr, das Neue ist noch nicht da oder fühlt sich noch sehr unsicher an. Auch als Gesellschaft befinden wir uns weltweit in einer Zeit des Übergangs. Als Coach, Gastgeberin, Autorin und geerdete Philosophin begleitet Regina Schlager in diesen Transformationsphasen. Sie öffnet Räume, um in lebendigen, kreativen und achtsamen Kontakt mit sich selbst, anderen und der Welt zu kommen und aus dieser Verbindung heraus zu handeln.

Schlagwörter: Slowing-down, Entschleunigung, Achtsamkeit, Koerperwissen, Lebenskunst, Embodiment, Weiblichkeit

1 Kommentar

Veronika Lamprecht at 03.08.2017:

Wie schön!! Danke für diese genauen Differenzierung der inneren Stimme! So ein Schatz und Energiequelle, dem Nichts-Tun Raum zu geben. Danke fürs Teilen liebe Regina!

Kommentare werden vom Moderator freigeschaltet

Kommentar hinzufügen

* Felder sind erforderlich