Mich committen, ohne mich unter Druck zu setzen

20.01.2018, Regina Schlager

Eine wichtige Aufgabe sehe ich für mich darin, Struktur und Planung mit Loslassen-Können und Flexibilität zu kombinieren. Ich betrachte es heute nicht mehr als Entweder-Oder, sondern als Sowohl-als-auch. Huch, welch große Erleichterung! Damit fiel enormer Druck von mir ab. Denn lange Zeit war das nicht so.

Struktur und Planung mit Loslassen-Können und Flexibilität kombinieren

Anfang des Jahres hielt ich, wie bereits in den letzten fünf Jahren, mein persönliches Business-Retreat, wie ich es nenne, ab. Ich habe eine Visionscollage erstellt und mir dann für 2018 einen flexiblen Rahmen gesetzt: mit ein paar Fixpunkten wie dem monatlichen Courage Circle, bereits feststehenden Weiterbildungen und ein paar angepeilten Zielen, zum Beispiel ein Gruppenangebot zu Embodied Mindfulness. Ich habe auch darüber reflektiert, was ich loslassen möchte.

Was ist der einfachste Weg in die Überforderung und Unzufriedenheit? Nimm dir so viel vor, dass du sicher sein kannst, es nie und nimmer bewältigen zu können.

Ach ja, wie vertraut mir das ist! So eine Tendenz hatte ich früher: Zu Jahresbeginn machte ich eine Liste mit ambitionierten Projekten und Zielen, die ich auch in elektronische Tools aufnahm. Über meinem Schreibtisch hing dann zur Visualisierung – und um mich daran zu erinnern – ein Zeitstrahl für das ganze Jahr, auf dem sich die Ergebnisse, die ich mir vornahm, dicht aneinander drängten. Setzte ich etwas davon nicht um, oder nicht zeitgerecht, dann war ich enttäuscht über mich – und manchmal sogar ziemlich frustriert: Warum schaffe ich das nicht? Warum bin ich nicht loyaler mir selbst und meinen Zielen gegenüber?

Ich hörte in mich hinein, was da eigentlich los ist. Denn so wollte ich nicht weitermachen. Es kostete mich einfach zu viel Energie. Da stellte ich fest, dass ich eine bestimmte Überzeugung in mir trug: »Du musst dir eine Struktur geben und auf die Einhaltung achten, damit du dir selbst signalisierst und versicherst, dass du es ernst mit deiner Berufung und mit deinen Vorhaben meinst. Und damit auch ernst mit dir selbst.«

Wenn ich also etwas nicht tat, was ich mir für das Jahr vorgenommen hatte, dann musste mir das ja wie ein Verrat an mir selbst erscheinen! Eigentlich gar nicht verwunderlich.

Ich habe viel Zeit mit diesem Teil in mir verbracht: Anerkannt, dass er da ist. Denn er will mich vor Enttäuschung beschützen. Er will mir eigentlich nur Gutes.

Und dann hat sich etwas gewandelt.

Ich erlebe das Zusammenspiel der zwei Seiten Struktur und Flexibilität nun als kreativen Prozess.

Beide Seiten sind wertvoll, beide sind notwendig. Ich erkannte, dass ich mich nicht für die eine oder die andere Seite entscheiden muss. Dass es für mich gerade darum geht, das kreative Zusammenspiel zuzulassen.

So ist es nun möglich, dass sich auch die flexible Seite immer mehr entfalten kann - ohne die Angst, dass ich mich dadurch verrate, faul bin oder gar nichts mehr zuwege bringe.

Mal ist für mich mehr Planung angesagt, mit Projekt-Milestones und To-Do-Listen, dann merke ich wieder, dass es nun richtig ist, mich einfach spontan in den Tag hineinzubegeben und darauf zu horchen, was auf mich zukommen will. Und meist ist eine Mischung angesagt, deren Dosierung sich auch laufend ändert.

Das heißt nicht, dass ich dieses kreative Zusammenspiel permanent zulassen oder anerkennen kann. Nach wie vor verspüre ich immer wieder mal ein Gefühl von »Zu-viel«: dann habe ich meinen Kalender sehr voll gepackt und mein Bedürfnis nach Zeiten der Ruhe und des Integrierens übergangen. Oder ich mache mir Vorwürfe, dass ich etwas, das ich mir vorgenommen hatte, nicht getan habe.

Doch ich stelle fest, dass ich es insgesamt viel gelassener nehme. Ich merke durch bestimmte körperliche Signale, dass ich mich überfordert fühle – und damit ist es mir möglich etwas zu verändern. Wenn ich vorwurfsvolle Stimmen in mir höre, ist es mir meist möglich sie wahrzunehmen, ohne mir nochmals Vorwürfe wegen der vorwurfsvollen Stimmen zu machen. So werde ich nicht mehr überwältigt von ihnen. Ich akzeptiere, dass auch sie dazu gehören.

Regina Schlager

Viele Menschen befinden sich heute in einer Phase des Wandels, sowohl im persönlichen wie auch im beruflichen Bereich. Das Alte passt nicht mehr, das Neue ist noch nicht da oder fühlt sich noch sehr unsicher an. Auch als Gesellschaft befinden wir uns weltweit in einer Zeit des Übergangs. Als Coach, Gastgeberin, Autorin und geerdete Philosophin begleitet Regina Schlager in diesen Transformationsphasen. Sie öffnet Räume, um in lebendigen, kreativen und achtsamen Kontakt mit sich selbst, anderen und der Welt zu kommen und aus dieser Verbindung heraus zu handeln.

Schlagwörter: Selbstmanagement, Entschleunigung, Achtsamkeit, Selbstfreundschaft, Ziele, Lebenskunst

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