Was ist ein Glaubenssatz?

26. August 2021, Regina Schlager

Was bedeutet es eigentlich, wenn wir von „Glaubenssätzen“ (im nicht religiösen Kontext) sprechen? Oft lese ich von „negativen Glaubenssätzen“ – so als wäre ein Glaubenssatz an sich etwas, das hinderlich ist. Das ist nicht so. Der Schlüssel im Umgang mit Glaubenssätzen liegt in der Bewusstheit: Welche begleiten mich gerade in meinem Leben? Welche möchte ich beibehalten? Und welche verändern?

Glaubenssätze sind nicht an sich negativ. Wir brauchen sie. Wir können gar nicht ohne sie.

Mit „Glaubenssatz“ meine ich Vorstellungen, Annahmen und Überzeugungen, die der Einzelne über sich selbst, über andere und die Welt hat. Sie helfen uns, Ereignisse einzuordnen. Sie geben uns Orientierung. Alle zusammen machen unser Weltbild aus.

Warum aber möchten wir dann so oft einen Glaubenssatz verändern?

Ein Glaubenssatz wird problematisch, wenn er nicht mehr zu uns und unserer Entwicklung passt. Nehmen wir zum Beispiel die Überzeugung: „Ich bin nur etwas wert, wenn ich gute Leistung erbringe“. Jahrzehnte lang kann sie dich begleiten, ohne dass dir auffällt, dass da etwas nicht mehr stimmt. Doch plötzlich merkst du: „Hej, diese Annahme blockiert mich, sie wirkt sich negativ aus in meinem Leben“.

Jeder Glaubenssatz ist aus gutem Grund entstanden

Wenn ich mit "Jeder Glaubenssatz ist aus gutem Grund entstanden" auf meine Glaubenssätze blicke, die ich als nicht mehr hilfreich empfinde, dann muss ich mich nicht mehr dafür kritisieren und schlecht machen. Statt: „Warum warst du nur so blöd, so lange anzunehmen, dass du nichts wert bist, wenn du keine Leistung erbringst? Schau doch, welche Chancen du dir dadurch genommen hast“ kann ich mir mit Verständnis und Fürsorge begegnen.

Als Kind kommen wir zu Auffassungen über uns selbst, um mit unseren Bezugspersonen und der Umgebung, in der wir aufwachsen, zurande zu kommen. Wenn ich eine Mutter habe, die übers ganze Gesicht strahlt, wenn ich „etwas Schönes zeichne“ oder "eine gute Note" in der Schule bekomme, die ich sonst aber als depressiv erlebe, bastle ich mir mit kindlicher Logik (und aus dieser ganz verständlich) zusammen, dass Mama nur dann glücklich ist, wenn ich etwas leiste, was sie zufrieden macht. Wenn ich sie nicht zufrieden mache, dann liebt sie mich nicht mehr, weist mich zurück, sorgt nicht mehr für mich.

Und über das engere Bezugssystem hinaus wächst jedes Kind in einer Gesellschaft auf, die bestimmte Auffassungen und Werte hat. Das ist wie das Wasser, in dem der Fisch schwimmt. „Leistung“ wird in unserer westlichen Gesellschaft sehr hoch bewertet, es wird von den „Leistungsträgern“ gesprochen, die angeblich die Stützen unserer Gesellschaft sind (gemeint sind damit Menschen, die es in den gesellschaftlichen Hierarchien des Bildungs- und Berufswesens „nach oben schaffen“, viel verdienen und sich vieles zu kaufen „leisten können“) – das trägt nochmals stark dazu bei, dass sich ein Glaubenssatz wie „ich bin nur etwas wert, wenn ich gute Leistung erbringe“, verfestigt.

Wir können uns für einen Glaubenssatz entscheiden und ihn auch wieder „abwählen“

Der Schlüssel ist Bewusstheit. Meine Annahme (auch wiederum ein Glaubenssatz 😀) ist, dass wir nicht Opfer unserer Überzeugungen sind. Wir können: 1) Uns bewusst sein, dass es ohne Glaubenssätze gar nicht geht, 2) erkunden, welche Glaubenssätze gerade unser Leben durchtränken. Sobald ich weiß, woran ich bin, kann ich aktiv etwas tun. Damit kommen wir in die Selbstbestimmung und Verantwortung: Will ich das so beibehalten? Oder möchte ich, dass sich etwas für mich verändert?

 

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Schlagwörter: Wachstum, Selbstmanagement, Achtsamkeit, Selbstfreundschaft, Veraenderung, Lebenskunst, Selbstmitgefühl, Selbstführung, Resilienz

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