Was ist der Unterschied zwischen Meditation und innerer Erkundung?

5. Dezember 2020, Regina Schlager

Für mich gibt es zwei wesentliche Zugänge für einen achtsamen Umgang mit sich selbst: Meditation und Erkunden meines Inneren.  Bei Zweiterem schöpfe ich vor allem aus der Methode Focusing. Beide Herangehensweisen, um mit sich selbst in ehrliche Beziehung zu treten, sehe ich als Achtsamkeitspraxis. Sie beruhen beide auf einem Ankommen im gegenwärtigen Moment. Und beiden gemeinsam ist eine offene, neugierige und liebevolle Haltung sich selbst gegenüber; ich spreche auch gerne von Selbstmitgefühl. Und beide sind wichtig, sie ergänzen sich.

Pixabay - Jose Antonio Alba; Mann, an Baum gelehnt, Stille, Meditation

Bei der Meditation und bei der inneren Erkundung gehe ich als Gastgeber unterschiedlich mit meinen Gästen um

Zur Unterscheidung von Meditation und innerer Erkundung hilft mir folgendes Bild, das ich bei einem meiner Lehrer gehört habe:

Ich bin zuhause. Es klingelt jemand an der Tür. Bei der Meditation begrüße ich den Gast freundlich, bitte die Person herein und begleite sie schnurstracks zur Hintertür. Dort verabschiede ich mich freundlich von ihr.

Bei der achtsamen Innenschau steht wiederum jemand vor meiner Türe. Ich begrüße den Gast freundlich, bitte ihn herein und lade ihn zu einer Tasse Tee ein. Ich setze mich mit ihm an den Tisch, bin aufmerksam da - und höre ihm zu. Ohne Ratschläge, ohne Bewertungen, ohne ihm ins Wort zu fallen und zu sagen: "Ach ja, das kenne ich, bei mir ist das so und so..."

Bei der Meditation übe ich, alles vorurteilsfrei wahrzunehmen, was in mir auftaucht.

Als ich mit dem Meditieren begonnen habe, waren da vor allem Gedanken, die wild herumsprangen. Ich habe beim Meditieren die Intention, meine Gedanken nicht festzuhalten, mich nicht in ein Thema zu vertiefen oder eine Geschichte daraus zu entwickeln. Ich lasse einen Gedanken wieder ziehen, so wie eine Wolke, die am Himmel vorbeizieht.

Bei der achtsamen Erkundungstour in meiner inneren Landschaft nehme ich mir Zeit, etwas einzuladen und ihm Raum zu geben.

Das kann zu einem bestimmten Thema sein, das mich gerade beschäftigt. Oder ich lasse mich überraschen, was auftaucht. Ich lade mein inneres Wissen ein, mir Etwas zu zeigen, was ich bislang noch nicht wusste, beziehungsweise, das mir nicht bewusst war. Und dieses Etwas erkunde ich dann auf sanfte Art. Ohne Erwartungsdruck. Dieses Etwas zeigt sich über körperliche Empfindungen, Gefühle, Bilder und Erinnerungen. Und Gedanken, die mit all dem verbunden sind.

 

Bild: Pixabay - Jose Antonio Alba

 

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Schlagwörter: Entschleunigung, Stressbewaeltigung, Achtsamkeit, Koerperwissen, Selbstfreundschaft, Embodiment, Selbstmitgefühl

2 Kommentare

Rosmarie Marti, 6. Dezember 2020

Liebe Regina Deine Beiträge sind immer sehr wertvoll und wunderbar geschrieben. Ein tolles Beispiel mit dem Gast, der Platz nimmt oder direkt zur Hintertür hinausbefördert wird. Seit Jahren meditiere ich täglich und es hilft mir in eine tiefe Ruhe zu kommen. Die innere Erkundung half mir mich kennenzulernen und besser zu verstehen. So geniesse ich auch beide Praktiken in vollen Zügen und bin sehr dankbar sie in meinem Leben zu wissen. Liebe Regina eine besinnliche Adventszeit dir und gesegnete Festtage. Liebe Grüsse Rosmarie

Regina Schlager, 10. Dezember 2020

Liebe Rosmarie, ganz herzlichen Dank für deinen Kommentar. Es freut mich zu lesen, dass du beide Praktiken, die ich beschreibe, kennst und (vor allem auch) geniesst :-). Auch dir alles Gute für den Advent und für Weihnachten. Liebe Grüsse, Regina

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